Druckschrift 
John Howard und die Pestsperre gegen Ende des 18. Jahrhunderts
Entstehung
Seite
40
Einzelbild herunterladen
 

40

kommen dürfte. Zieht man die oft unzweckmäßige Behandlungsweifeder damaligen Zeit (zu häufige Blutentziehungen!) in Betracht, fo scheintheute jedenfalls kein Grund' vorhanden, die Pest inehr zu fürchten, als iihre asiatische Concurrentin.

6) Aus Ersuchen des russischen Hofes ließ der Gesundheitsrath vonVenedig eine Heilmethode durch den Primaarzt Giambastian Paitoni1784 ausarbeiten, wovon. Howard einen Auszug lieferte. Paitonisagt, daß Aderlässe und Abführungsmittel unzulässig seien;alle Mittel, welche den Kräftezustand des Kranken zu heben geeignet seien,gelten ihm als gut, alle gegentheilig wirkenden schlecht. Im erstenStadium seien Schweiß treibende Mittel nützlich. Als günstiges Zeichenfaßt er das Auftreten der Bubonen, sind diese mißfarbig (livid) oderschwarz, jauchig, oder wachsen sie schnell, fo steht es schlimm. Ein nochschlechteres Zeichen ist Anthrax. Fast immer tödtlich ist der Verlauf, wennPetuchien sich zeigen oder aber Durchfall und Hämorrhagien eintreten.

Zu verwundern ist, daß dieser vielfach modern verfahrende Arzt nichtder Abkühlungsbäder zur Bekämpfung des Fiebers oder der permanentenLufterneuerung gedenkt, obwohl er Ventilation als Schutzmittel gegen Er-krankungen empfiehlt.

7) Ueber den Witterungseinfluß berichtet Howard eine beglaubigteBeobachtung aus dem Dorf Eyam bei Tideswell in Derbyshire, wohin1665 die Pest aus London durch ein Paquet mit Bekleidungsstoffen ge-langt war. Im September 1665 starben 6, im October 22, im No-vember 5, im Dezember 7. Im Januar 1666 3, Februar 5, März 23,April 12, Mai 5, Juni 20, Juli 53, August 78, September 21,October 17, November 1. Leider ist bei Howard die Gesammtzifferder Einwohner und der Erkrankten neben der Zahl der Todesfälle nichtverzeichnet.

8) Die Terminologie der Franzosen und Italiener unterschied patente sbrüte und patente nette.

Es waren dies: Marseille, wo er die Praxis der Durchräuchcrungenlobenswert!) fand, Genua, Livorno, Neapel, Malta, Zante, Smyrna,Venedig. Von diesen gab er kurze Beschreibungen. Außer den beschriebenen,sah Howard noch anderen Qurantaineanstalten, an denen er nichts er-wähnungswerth fand.

--

<17S)

Druck von Gebr. Nnger (LH. Wrimui) in Berlin, Schönsbergerstr. 17 ».