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Das physiologische und psychologische Moment in der sprachlichen Formenbildung
Entstehung
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Fassung meiner Themas möge meine Leser nicht fürchtenlassen, daß ich etwa beabsichtige, sie im Nachfolgenden mit denhaarspaltenden Fragen der Lautphysiologie zu behelligen oder auchsie in die ergründeten oder unergründeten Tiefen der psycholo-gischen Sprachbetrachtuug hinabzuführen. Meine Absicht ist nurdie, ein allgemeineres Interesse für zwei methodische Grundsätzeder modernen Sprachwissenschaft zu erwecken, Grundsätze, welchenihr Recht, geradezu als die obersten und wichtigsten leitendenNormen der Forschung zu gelten, erst in den letzten Jahren nachund nach uuverkümmert zu Theil zu werden begonnen hat. Diezwei Grundsätze lauten:

Erstens: Der historische Lautwandel des formalen Sprach-swfses vollzieht sich innerhalb derselben zeitlichen und örtlichenBegrenztheit nach ausnah mslos wirkenden Gesetzen. Diesist die physiologische Seite der sprachlichen Formenbildungund -Umbildung.

Zweitens: Alle Unregelmäßigkeiten der Lautentwicklungsind nur scheinbar solche. Sie beruhen nämlich darauf, daß dieWirkungen der physiologischen Gesetze zahlreiche Durchkreuzungenund Aufhebungen erfahren von dem psychologischen Triebe,dessen Wirken darin besteht, daß Sprachformen, im Begriffe ge-sprochen zu werden, mittels der Joeenassociation mit ihnen naheliegenden anderen Sprachformen in unbewußte Verbindung ge-bracht uud von diesen letzteren formal beeinflußt und lautlichumgestaltet werden.

XIV. 327. I* PV7)