Druckschrift 
[1]: 1887
Seite
450
Einzelbild herunterladen
 

WimpM.

icht weit von Heidelberg entfernt, jedoch auf hessischem Gebiete,liegen am Neckarstrande die beiden Ortschaften Wimpfen imThale und Wimpfen auf dem Berge. Im 13. Jahrhundert ließen sich aufletzterem Dominikanermönche nieder und bauten daselbst eine schöne, gothischeKirche, wovon jetzt noch einige Theile vorhanden sind.

Die Veranlassung zum Bau dieser Kirche wird folgendermaßenberichtet:

Der Ritter Engelhard von Weiusberg besaß auf diesem Berg einGrundstück, auf welchem in alter Zeit das Hochgericht und der Galgen stan-den. Dieses Grundstück schenkte er den Dominikanern unter der Bedingung,daß ans demselben eine Kirche erbaut werde und zwar so, daß Chor undHochalter an die Stelle des Galgens ?zu stehen kämen. Ferner sollte dieKirche zu Ehren des hl. Kreuzes eingeweiht werden. Die Kirche ward er-baut und nach ihrer Vollendung von dem Bischöfe von Regensburg, Albertdem Großen, welcher ebenfalls dem Dominikanerorden angehörte, eingeweiht.Solches geschah 1269 oder 1270. Der selige Bischof Albert beschenkte zu-gleich die Kirche mit einer Partikel des h. Kreuzes.

Mit der Zeit scheint es in Vergessenheit gekommen so sein, daß sichin dieser Kirche eine Partikel des h. Kreuzes befand und als man im Jahre1617 die Kirche restaurirte und bei dieser Gelegenheit den Choraltar abbrach,um an dessen Stelle einen neuen Altar zu errichten; fand man unter demDeckstein des Altares verschiedene heilige Reliquien sowie ein vergoldetes mitvier Steinen besetztes Kreuz, in welchem eine Kreuzpartikel eingefaßt war.Etwa dreißig Personen waren dabei gegenwärtig.

In dem Archive des Klosters befanden sich mehrere auf diese Reliquienbez ügliche Urkunden, unter anderen auch diejenige, welche bei Einweihung desKlosters vom Bischöfe Albert ausgestellt worden war. Diese sandte manzur näheren Untersuchung nebst den gefundenen Reliquien an das General-vikariat zu Worms ein, zu welchem Bisthum damals Wimpfen gehörte.

Das Generalvikariat untersuchte die Urkunde genau, verhörte auch diePersonen, welche bei Aufsindung der Reliquien zugegen gewesen waren undthat sodann den Ausspruch, daß die Kreuzpartikel ächt sei und der allge-meinen Verehrung der Gläubigen ausgestellt werden dürfe.

Am 13. Mai 1719, dem Feste der Aufsindung des heiligen Kreuzesw urde nun eine kirchliche Feier veranstaltet, die Kreuzpartikel auf dem Hoch-altare aufgestellt und von allen Seiten strömten die Gläubigen herbei, umihre Andacht zu befriedigen und dem am Kreuze gestorbenen Heilande ihreAnbetung zu bezeugen. Papst Clemens XI. hatte der Kirche bedeutende Ab-lässe verliehen, auch wurde eine Bruderschaft zum H.Kreuz daselbst errichtet,