— 448 —
funden worden. Da das Bild offenbar aus späterer Zeit stammt, so istdiese Ansicht irrig.
Am 21. Oktober 1449 bestimmte Erzbischof Kurfürst Theoderich vonMainz , die Gerechtsame der Mutterkirche zu Klein-Steinheim sollte von nunan in die neuerbaute Kirche des befestigten Ortes Groß-Steinheim über-tragen werden. Bei dieser Gelegenheit brachte der Ortspfarrer Konrad Betzdas Kreuzbild in die neue Kirche. Nun berichtet die Sage, am Sonnabendvor Kreuzerhöhung haben die Glocken in der Kirche von Klein-Steinheimvon selbst geläutet, worauf die Einwohner hineineilten und das Gnadenkreuzwieder an seiner alten Stelle erblickten. Von nun an habe sich die Ver-ehrung des heiligen Kreuzes gesteigert, in Folge dessen ein besonderer Geist-licher für den Dienst des Kreuzaltars angestellt und befohlen wurde, dasKreuz stets an diesem Ort zu belassen.
Im Jahre 1507 gelobte die Pfarrgemeinde Groß-Steinheim, zur Ab-wendung von Hagel, Frost und anderen schlimmen Zufällen am Kreuzerfin-dungstage eine feierliche Prozession nach Klein-Steinheim abzuhalten, wasErzbischof Uriel von Gemmingen am 9. September 1511 bestätigte.
Bei der Prozession solle das hochwürdigste Gut von der Mutterkirchezur Kapelle nach Nieder-Steinheim und nach Amt und Predigt wieder zurPfarrkirche zurückgetragen werden. Sodann sollen die Priester, der Bürger-meister und zwei Baumeister (Kirchenvorstände) von Steinheim, sowie derBaumeister des h. Kreuzes und der Schultheis von Nieder-Steinheim sammtSchulmeister, so bei der Prozession zugegen waren, sich in den Pfarrhof be-geben und dort ein durch den Baumeister des heil. Kreuzes bestelltes „ziem-liches Nefektions- oder Mittags-Jmms" einnehmen. Bei dieser Prozessionwurde außer den gewöhnlichen, jetzt noch üblichen Gaben an Geld undWachs auch Hühner, Tauben und Eier geopfert, welche letztere dem Pfarrerzufielen.
Zu diesem Feste der Kreuzerfindung kamen früher in Begleitung ihrerSeelsorger die Pfarrgemeinden von Lämmerspiel, Bieber, Mühlheim, Bürzel,Heußenstamm, Weißkirchen, Nieder-Roden, Groß-Auheim, Dieburg, Alpenau,Samborn u. s. w. Seit unbestimmter Zeit geht auch aus Kreuzerhöhungeine sakramentalische Prozession von der Pfarrkirche nach Nieder-Steinheim,ist aber weniger zahlreich.
An allen Feiertagen der heil. Fastenzeit mit Ausnahme des Char-f reitags geht eine Prozession von Groß-Steinheim dorthin. An dem Kreuz-altare wird eine hl. Messe gehalten. Um diese Prozession zu erhalten, hatein Herr von Reuß im vorigen Jahrhundert eine Stiftung gemacht.
Als die Schweden 1631 am Rhein erschienen, flüchtete der Benedik-tiner und Ortspfarrer Benidikt Brand nach Trier, nachdem er zuvor dasKreuz verborgen hatte. Kurz vor seinem Tode theilte er seinem Amtsnach-folger P. Machern den Ort des Versteckes mit. Der schwedische Comman-