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Die Wallfahrt zum heiligen Blut in Walldiirn.
HHdie Stadt Walldürn mit 3300 Einwohnern liegt im badischenMosbach, 14 Kilometer südöstlich von der Eisenbahn-station Amorbach. Ueber die Entstehung der dortigen Wallfahrt wird Nach-stehendes berichtet:
„Im Jahre der Geburt Christi 1408*) hat sich in der Stadt Wall-diirn ein großes Wunderwerk begeben und zugetragen, als der Priester (mitNamen Heinrich Otto) in der Pfarrkirche am Ober-Altar Meß hielt, hat erunversehens den Kelch umgestoßen und das Blut Christi, so er konsekrirtgehabt, auf das Korporale geschüttet. Da also das ausgeschüttete Blut dieBlutesfarb und Rothe an sich genommen, hat es sich in die Gestalt Christi,gleichwie er mit ausgebreiteten Armen am Kreuz gehangen, dargestellt undallenthalben darum viel Angesicht Christi nach dem Schweißtuche derVeronika; und wiewohl deren Viele waren, so hinter dem Priester gestandenund das Umschütten des Kelches gesehen, so hat der Priester doch solcheszu verhehlen sich beflissen und einen Stein an dem Altar, daraus er Meßgehalten aufgehoben und das Corporale darunter verborgen. Und nachdemdies geschehen, hat derselbige Priester noch viele Jahre gelebt.
„Als er endlich in seinem Todesbette gelegen, hat er es gebeichtet unddie Corporale gezeiget; hierauf nach seinem Absterben haben etliche Personen,um der Ehre willen des hochwürdigsten Sakraments und Bluts Christi aufBerathschlagung und gehaltenem Rath gemeldetes Corporale nach Rom ge-tragen und es dem obersten Verwalter der Geistlichkeit Papst Eugenio ge-zeigt, dessen Heiligkeit das wunderwerkliche Blut besichtigt, für gerecht erkannt,bekräftigt, auch diese Bulle in Blei, dessen Inhalt von Wort zu Wort jetztfolgt, kirchlich und barmherziglich ausgegeben haben:
„Wir Eugenius, Bischof und Diener der Diener Gottes entbieten allenChristgläubigen, die diesen Brief sehen oder lesen, Heil und apostolischen Segen-Wiewohl der, von welchem alle gute Gabe kommt, wenn ihm von seinenGläubigen würdig und lieblich gedienet wird, von der Ueberflüssigkeit seinerGnaden, die da alle Verdienste der Anrufenden übertrifft, die Liebe derer,die ihm recht und wohl dienen, viel größer vergilt, als sie es verdienenmögen, so berufen und laden wir nichts desto weniger, weil wir be-gehren, dem Herrn ein angenehmes und guten Werken nacheiferndes Volk
') Nach Eisenhut im Jahre 1330. — Herchenbach gibt das Jahr 1130 an,offenbar unrichtig. Auch seine übrige Darstellung weicht von den vorhandenen älterenlleberlteferungen bedeutend ab.