Umgegend und eine große Menge Volkes durch ihre Gegenwart verherrlich-ten. Die Rosenkranzbruderschaft ans Ratibor, geführt von einem Domini-kaner war zuerst angelangt. Als die Glocke der Kreuzkirche am Beginn derAndacht erklang, ergriff Alle eine solche Rührung, daß Priester und Laien,Reiche und Arme laut schluchzten und das Weinen Thäler und Höhen er-füllte, ja die Musik übertönte. Die erste Predigt lautete über den Spruch!„Alles ist bereit; gehe hinaus ans die Landstraße und nöthige sie hereinzu-kommen." Hierauf trugen die Priester ein großes Kreuz zur Kirche desh. Kreuzes und nach den Vespern folgte eine zweite Predigt. Tages daraufam Feste Kreuz-Erhöhung nach dem Gottesdienste besuchte die Prozession alleStationen und war bei jeder Kapelle eine ExHorte. Mehr als 3400 Pöni-tenten empfingen die h. Communion. Später kamen die Cisterzienser ausHimmelwitz, die Franziskaner aus Cosel unb andere Priester und Mönche,nicht blos aus benachbarten Orten, sondern aus Böhmen, Mähren, Polenund Deutschland, mit ihnen unzählige Pilger, die Kreuze, Fahnen und Mu-sik bei sich führten.
Am nächsten Feste Mariä Himmelfahrt erschien auch der FürstbischofG raf Schaffgotsch mit zahlreichem Clerus und blieb zwei Wochen; die Ge-fährten hörten Beicht und der Oberhirt communicirte während jeder Messetrotz großer Hitze in der Kirche. Einigemal besuchte er barfuß den ganzenLeidensweg und die Marienstationen.
Kurz vorher hatte Clemens XIII. am 15. Juli 1765 die Calvarienbestätigt und vollkommenen Ablaß ertheilt denen, welche an den einzelnenFesten die Stationen besuchen und Jndulgenz der sieben Hauptkirchen zuRom bei Besuch der Marienwege. Als der Graf Gaschin vorstellte, daßlahme oder schwache Pilger, auch schwache Frauen nicht im Stande seien, denBerg zu besteigen, um alle Stätte zu besuchen, so setzte die GouArsA-atio in-äulAöutiaruiu in Rom am 19. November fest, daß für solche der Besuch derKapelle des Pilatus unterhalb genüge, wenn Sie die vorgeschriebenen andernStationsgebcte und die vom Bischof aufgegebenen verrichten. Herbst 1766erschien in deutscher und polnischer Sprache das erste Calvarienbüchlein.
Pins der VI. ertheilte am 16. Juni 1776 hundert Tage Ablaß, sooft die Pilger die Stationen besuchen, und am 27. Januar 1778 vollkom-menen Ablaß am St. Annafeste. Die Franziskaner hatten einen amtlichenPaß, ohne Hinderniß Almosen im Lande sammeln zu können.
Um die Andacht noch zu vermehren, stellte der Graf noch die heiligeStiege auf. Bekanntlich war Christus bei Pilatus auf 28 Stufen heraufund herab gestiegen (von Kaiphas, von Herodcs, von der Geisselung). Am3. September 1781 beuedicirte sie der Fürstbischöstichc Commissar GeorgHeinrich Neumann aus Rozmierz.
Am 19. August 1789 Nachmittags um 4stz Uhr erschien FriedrichWilhelm II. mit dem Kronprinz auf dem Berge, um die Umgegend anzu-^