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Albendorf in der Grafschaft Glatz.
lbendorf ist der berühmteste Wallfahrtsort von Preußisch-Schle-sien, zu welchem jährlich 80,000 Gläubige aus Schlesien undBöhmen pilgern. Er soll im Jahre 1218 entstanden sein. Damals lebteim Dorfe ein armer, blinder Greis, Namens Jann, der von mildthätigenHerzen sein Brot erbetteln mußte. Zu diesem Ziele hatte er sich außerhalbdes Dorfes eine Linde zu seinem Standplatze gewählt, wo der Weg vieleLeute vorbeiführte, die er um Almosen ansprach. Seine fromme TochterBrigitta geleitete ihn am Morgen dahin, so lange es die schöne Jahreszeitgestattete und führte ihn am Abend in sein niederes Stüblein zurück. Manhörte den armen, guten Greis oft lange beten und heilige Lieder singen,die es kund thaten, wie gelassen und ergeben er sein Schicksal ertrug.
Eines Tages, da er seiner Gewohnheit nach wieder seine Andacht ge-schlossen hatte, und seine Führerin, wie es schien, zu lange ausblieb, wollteer es versuchen, aus eigener Kraft seinen Heimweg anzutreten. Allein einFehltritt machte ihn wankend, er siel und stieß sein Haupt gewaltsam anden Stamm der Linde, so daß er bewußtlos zusammenstürzte. Als er sichnach einiger Zeit wieder erholt hatte und über sein Geschick nachdachte, finger bitterlich zu weinen an. Aber nicht in Ungeduld, sondern in sehnsüchtigerKlage ergoß sich sein Herz. „O Herr!" rief er jammernd aus, „wie langenoch wirst du verziehen, mich aus dem Dunkel dieser Erde nach dem Landedeines ewigen Lichtes zu bringen!" Auch zu der Himmelskönigin Mariaerhob er seinen Hülferuf und flehte sie herzinniglich an, daß sie seine Für-sprechern! bei Gott sein wolle, damit er in Geduld sein trauriges Schicksalertragen lerne. Aber in dem Augenblicke, da er noch immer klagte, fiel einLichtstrahl in seine geblendeten Augen. Er blickte nach dem schattigen Gründer Linde empor und fühlte, wie die Sehkraft seiner Augen wiederkehrte;staunend sieht er an dem Baume ein Bild der gnadenreichen Gottesmutter, derenHülfe er angefleht und die ihm solche Gnade vom Herrn erwirkt hatte. In-zwischen kam auch seine Tochter Brigitta, um ihn heimzuführen.
Die Kunde von dem Wunder, welches bei dem Bilde Marias unterder Linde geschehen war, verbreitete sich bald allenthalben und kam so auchzu den Ohren des Herzogs von Münsterberg, Ladislaus, dem damals dieGrafschaft Glatz gehörte. Als dieser einst aus der Jagd zu der Linde kamund hier Viele in andächtigem Gebete antraf, erfreute ihn der Anblick der-selben so sehr, daß er einen Altar von Stein an dieser Linde erbauen ließ,welchen zwei große steinerne Leuchter und ein Weihbrunnen zierte. Das