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gehabt haben muß. Den größten Theil des h. Kreuzes übergab die h. He-lena in einer silbernen Kapsel den Händen des Bischofs von Jerusalem zurAufbewahrung für alle künftigen Zeiten. Mit heiliger Sorgfalt wurde vonnun an dieses hehre Denkmal des Heiles in der dafür erbauten prächtigenKirche aufbewahrt und dem Bischöfe allein stand es zu, kleine Theilchen da-von zu verschenken, welche man als ein Unterpfand der Gnade und desSegens in höchsten Ehren hielt.
In unseren Gegenden sind wohl die Reliquien des h. Kreuzes zuerstdurch Karl den Großen verbreitet worden, von dem bekannt ist, daß er einegroße Menge derselben aus dem Orient erhielt. (Siehe die Beschreibungder Reliquien von Aachen.) Der Tradition zufolge ist auch das Crucifix-bild, welches sich in der Lambertuskirche zu Coesfeld befindet und wegender Partikel vom Kreuze, an welchem Jesus Christus für uns gestorben ist,seit Jahrhunderten von den Einwohnern wie von unzähligen Pilgern vonnah und fern verehrt wird, von diesem Heiligen übersendet worden. Indem Haupte dieses Crucifixbildes befindet sich nämlich eine auf Ebenholzbefestigte und mit Silber eingefaßte Partikel des h. Kreuzes, welche an denWallfahrtstagen den Gläubigen zum Kusse dargereicht wird.
Von den ersten Zeiten an wurde diesem Crucifixbilde nicht nur vonden Einwohnern Coesfelds und der umliegenden Dörfer eine große Ver-ehrung zu Theil, es kamen auch aus sehr entlegenen Orten Pilger herbei,um hier ihre Noth zu klagen, ihre Sünden zu beichten und christliche Bußefür dieselben zu thun; man hat Pilger in härenen Bußkleidern, ja in eiser-nen Panzerhemden hier ihre Andacht verrichten und den Kreuzweg gehensehen. Es ist hier noch ein eisernes Panzerhemd vorhanden, welches einPilger getragen haben soll. Einer Nachricht zufolge waren sogar Pilgeraus Ungarn und Siebenbürgen gekommen, nm hier ihre Andacht zu verrich-ten; auch liegen Beispiele vor, wo Christen-Sklaven während ihrer Gefan-genschaft das Gelübde gemacht hatten, nach ihrer Befreiung zum h. Kreuzeuach Coesfeld zu wallfahren, und ihr Gelübde treu erfüllend, zum Andenkendie Schlösser, welche sie in ihrer Gefangenschaft getragen, zurückgelassenhaben. Auch diese Schlösser werden hier noch aufbewahrt.
Die Verehrung des h. Kreuzes wurde noch gehoben durch die Appro-bation der Kreuzandacht durch mehrere Päpste und durch Ablässe, welche1300, 1312, 1320, 1350 und 1449 verliehen wurden. Papst BcnediktXIII. verlieh sodann am 23. Juni 1727 einen vollkommenen Ablaß allenDenjenigen, welche das wunderthätige Kreuz besuchen und uach abgelegterBeicht und Kommunion die gewöhnlichen Ablaßgebete verrichten.
Am 15. Februar 1633 kam der Landgraf Wilhelm von Hessen nachCoesfeld und legte der Stadt und den umliegenden Dörfern Contributioncnauf. Aus der Kirche wurde der katholische Gottesdienst verdrängt und diePrediger, welche er bei sich führte, mußten den calvinistischen Gottesdienst