— XIII —
fauler Knecht, der nicht einmal für sein Haus Sorge trägt. Wer wall-fahrtet und meint, das darauf verwendete Geld und die dabei angewendeteMühe werde ihm zehnfach vergolten durch eine reiche Ernte, durch Glück imStalle u. s. w. — wer nur aus diesem Grunde wallfahrtet, der ist eingeistlicher Wucherer. Wer den Sonntagsgottesdienst in der Wallfahrtskirchesucht, weil er mit seinem Pfarrer in Feindschaft lebt, der feiert segenlosenGottesdienst. Wer in die Wallfahrtskirche geht, weil ihn dort mehr Leuteandächtig beten sehen, der ist ein Pharisäer. Alle, die in solcher Meinungwallfahren, haben ihren Lohn schon dahin, denn die böse Absicht macht dasgute Werk zu nichte. Ueber andere böse Absichten wollen wir hier nicht reden.
Die Meinung ist gut, wenn der Gläubige durch die Wallfahrt einGelübde erfüllen will, das er Gott gemacht hat. In diesem Falle ist derGläubige verpflichtet, die Wallfahrt zu entrichten, wenn es ohne großenNachtheil, ohne Vernachlässigung höherer Pflichten und in einer Weise ge-schehen kann, daß die Nebenmenschen kein Aergerniß daran nehmen. Uebri-gens ist anzurathen, kein Gelübde zu machen, bevor man mit seinem Beicht-vater Rücksprache genommen hat.
Die Meinung ist gut, wenn der Gläubige durch eine beschwerliche undmühevolle Wallfahrt etwas büßen will. Es versteht sich von selbst, daßdies nur dann einen Werth hat, wenn er auf die Verdienste des Leidensund Blutes Christi sein Vertrauen setzt und durch wahre Buße sich mit Gottaussöhnt. Deshalb ist es gut, wenn er dabei die Absicht hat, durch beson-ders gründliche Vorbereitung das h. Sakrament der Buße zu empfangenund sich von ganzem Herzen zu Gott zu bekehren.
Die Meinung ist gut, wenn der Christ durch seine Wallfahrt Gottdem Herrn Dank abstatten will für geistige und leibliche Wohlthaten, dieer von ihm empfangen hat.
Die Meinung ist gut, wenn der Gläubige auf dem Wege und amWallfahrtsorte seine zeitliche Habe und alle seine geistigen Anliegen in dieHände Gottes legen und vom Allerhöchsten den Segen herabflehen will überFelder und Fluren, über Wiesen und Gärten, über Kinder und Knechte,über Pferde und Rinder. Denn Alles steht in Gottes Hand und Gott derHerr will um Alles gebeten sein, und nur, was man erbeten hat, bringtSegen.
Endlich kommt es noch darauf an, daß man in rechter Weise wallfahre.Das Wallfahren ist zunächst eine Bußübung oder auch eine angestrengteund andauernde Gebetsübung. Diese Eigenschaft verliert das Wallfahrenganz, wenn man im bequemen Wagen einen solchen Gang unternimmt, wennman auf dem Wege nur an zeitliche Dinge denkt und nur von weltlichenAngelegenheiten redet, wenn man wenig oder gar nicht betet. Eine Wall-fahrt ist keine Lustfahrt und eine Lustfahrt keine Wallfahrt. Die Wallfahrersollen im Namen des Herrn ihr Haus und ihre Angehörigen verlassen, im