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1 (1924)
Seite
616
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WIENBARG 616

mehr „den Unwillen der höchsten preußischen Regierung" auf sich zuladen; eines der Bücher war Wienbargs „Zur neuesten Literatur". Diebeiden andern wurden am 23. Januar 1836 vom Oberzensurkollegiumgenehmigt, Wienbargs Buch nicht, weil es (S. 119) „verbotene Schriftenvon Heine und Gutzkow als lobenswerthe Producte dieser Schrift-steller" darstellte; die Namen aller dieser Männer sollten völlig ekra-siert werden! Das ministerielle Verbot erfolgte am 16. Februar; inBayern war das Buch schon am 30. Januar 1836 auf den Index gesetztworden. Es ist das einzige Werk Wienbargs, das es zu einer zweitenAuflage brachte; sie erschien 1838 bei Hoffmann und Campe in Ham-burg. Am 31. Mai 1838 reichte der Berliner Buchhändler Trautweindiese Neuauflage zur Rezensur ein. Am 31. Juli erhielt Johns Ver-treter, Grano, es zur Prüfung. Ein volles Jahr ließ die Antwort aufsich warten; am 13. Juni endlich fällte der Zensor sein Urteil: er hieltdas Buch größtenteils für ziemlich unerheblich, aber zu den beidenAufsätzen über Heine und Gutzkow erklärte er: „Die irreligiöse undunsittliche Richtung der Schriftsteller des sog. jungen Deutschlandstritt darin sehr entschieden hervor und spricht sich namentlich auch indem, auf arger Corruption der Begriffe beruhenden, Mißbrauche derWorte, insbesondere religiöser Ausdrücke und Formen zur Bezeich-nung ganz heterogener Gegenstände so grell als frivol aus." Am12. Juli 1839 wurde das Buch wiederum verboten mit derselben nichtigenBegründung wie 1836! Gleichzeitig hatte Trautwein Wienbargs „Tage-huch von Helgoland" (Hamburg, Hoffmann und Campe. 1838) ein-gereicht. Zensor Grano expektorierte sich darüber (2. Dez. 1838) mitermüdender Weitschweifigkeit, indem er alle politischen Äußerungendes Verfassers wiederkaute: in seiner „gewohnten Weise" verletzeWienbarg „nicht allein manche Rücksichten gegen die bestehendenVerhältnisse", sondern er stelle auch „den ungebeugten Jugendmuthdes Märtyrers zur Schau"! Bedenke man die „bittere Verspottung desbesonnenen und geregelten deutschen Charakters, die Herabwürdigungder factischen Bedeutsamkeit Deutschlands, gegenüber die Verdächti-gung der Staatsregierungen, welche als Verfolger des ächten Patriotis-mus denuncirt und auf welche als Hemmräder nationaler Erhebunghingedeutet" werde, lauter Dinge, die sich Wienbarg in diesem Buchehabe zuschulden kommen lassen, so spreche alles dafür, daß er damit..Unzufriedenheit und Unmuth" habe erregen wollen. Er werde damitallerdings wenig Erfolg haben, denn jedermann werde „ein krankhaftesMißbehagen, eine Zerfallenheit mit sich selbst und den bestehendenVerhältnissen zwischen den Zeilen lesen und in Begleitung dessenauch das Bestreben erkennen müssen, den persönlichen Fall zu einerFrage des Gemeinwohls zu machen". Dadurch aber decke sich „dieQuelle solcher schon an sich verdächtigen Ergießungen von selbst auf".Die Zeit, da der Verfasser mit seinen „Phrasen" Anklang finde, sei