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1 (1924)
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WIENBARG 614

gaus, unter freundlichen Menschen, die sein Los erleichterten, stellteer für den Verlag Viktor v. Zabern in Mainz ein zweibändiges Werkzusammen, zu dem ihn Gutzkow angeregt hatte: „Rom und Griechen-land" oder „Das klassische Alterthum, dargestellt durch deutscheKlassiker", eine Kompilation, die wie so manches schon angekündigteWerk Wienbargs nie erschien; nur die Vorrede dazu veröffentlichteer 1836 in einer Hamburger Zeitung und später in seinem Buche„Quadriga" (Altona, Karl Aue. 1840). Der dänische Gesandte konnteoffiziell nichts zur Erleichterung der Lage Wienbargs tun, und einemehr kollegiale Verwendung beim hessischen Minister du Thil scheintdas Gegenteil ihrer Absicht erzielt zu haben: man drohte schließlich,ihn durch Dragoner über die Grenze schaffen zu lassen! Mitte März1836 kam er nach Frankfurt zurück und blieb hier inkognito zwei Tage;er war, wie einer der österreichischen Konfidenten (Glossy, a. a. O. I,68) am 16. berichtete, „aufs äußerste aufgeregt und überließ sich ganzden Ausbrüchen eines nicht zu verhaltenden Zornes". Er wollte nichtnach Norddeutschland zurück, da Altona dem literarischen Verkehrzu fern lag und er zur Bestreitung seiner Existenz die enge Verbindungmit den jungdeutschen Freunden brauchte. Zunächst wandte er sichnach Kassel, wo damals auch Eduard Beurmann weilte, der als Ge-sinnungsgenosse der Jungdeutschen galt, gleichwohl aber im geheimenKonfidentenberichte für Österreich lieferte, wenn auch sehr vorsichtigeund wenig gefährliche. Er war es jedenfalls, der aus Kassel meldete,Wienbarg habe am 20. April das letzte Manuskript für sein neues Buchnach Mainz geschickt, und warte nur auf Geld, um nach Hamburgzurückzukehren. Schon hatte ihn die Polizei auch von Kassel ver-wiesen ; er wäre gern in dem kurhessischen Ort Bockenheim, nur zehnMinuten von Frankfurt, geblieben, aber die hessische Regierung wolltesich des lästigen Ausländers entledigen. Auch nach Darmstadt soll ersich vergebens gewandt haben. Erst in Altona kam er zur Ruhe, erstseine Heimat erlaubte ihm wieder, deutsche Luft zu atmen. DiesesErlebnis, das Dasein eines gehetzten Wildes, dazu der wirtschaftlicheRuin, wurden für Wienbargs Psyche verhängnisvoll ebenso wie fürdie Gutzkows; es befruchtete bei beiden die schon vorhandenen Keimeeines Verfolgungswahns, dessen mehrfache heftige Anfälle GutzkowsKraft überwand, während Wienbarg ihnen nach und nach erlag. DieVorboten dieser Krankheit zeigten sich bei ihm schon bald nach jenenJahren; wie unheimliche Vögel flattern sie am Horizont auf und nieder,langsam kommen sie näher, und mehr und mehr konzentrierte sich seinganzes Denken auf die Beobachtung dieser Spukgestalten. Seine letztenLebensjahre erfüllte nur ein ohnmächtiger Kampf gegen sie.

Eine an sich schon krankhaft veranlagte Psyche mußte den öffent-lichen Bann, der 1835 über ihre ganze Gedankenwelt ausgesprochenwurde, weit tiefer empfinden, als eine robuste Natur, und wenn