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1 (1924)
Seite
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WIENBARG 6lo

liehen und bürgerlichen Verhältnisse". Das sind alles seine eigenenWorte! Und das wollte Professor werden zur Zeit der Demagogen-verfolgungen ! Dänemark gehörte als Beherrscher Schleswig-Hol-steins zum Deutschen Bund.

Freiheit steht auf jeder Seite dieses Buches. Es machte die poli-tische Freiheit zur Grundlage literarischer Betrachtung, zur Voraus-setzung einer deutschen Nationalliteratur. Leben und Dichtung soll-ten gemeinsam emporblüherl, die eine das Spiegelbild des anderen sein;letzteres also muß sich heben, um das erstere mit emporzuziehen. Erwies auf Goethes „Wilhelm Meister" hin: gewiß ein Bild des zeit-genössischen Lebens, aber es beweist nur, daß Deutschlands öffent-liches Leben Theater ist. Nicht Kopie des Hellenentums, deutschesLeben soll auf deutschem Boden sich entwickeln, das betonte Wien-barg stets, obgleich er für die Antike schwärmte, von ihr ausgegangenwar und in ihr immer wieder seinen geistigen Ruhepunkt fand.

Die Wirkung der „Ästhetischen Feldzüge" war eine sehr tiefgehende,Wienbargs lodernde Worte und die strahlenden Bilder seiner stolzenBeredsamkeit wurden in der Tat von der damaligen Jugend als einBekenntnis aller, als Weckruf allenthalben schlummernder Vorstel-lungen empfunden. In zahllosen Variationen klingt ihr Echo aus derLiteratur jener Jahrzehnte wider, und das preußische Ministeriumoder die im Ollerzensurkollegium vereinigte Phalanx des alten Deutsch-lands hatten in ihrem Sinne die richtige Witterung, wenn sie sich vordieser neuen Weltanschauung bekreuzigten. Wienbargs „Holland"hatte das Oberzensurkollegium, „obgleich mehrere Stellen von keinemguten Geiste zeugten, wegen sonstiger Unbedeutendheit und Unverfäng-lichkeit" zu den Akten gegeben — ein Urteil, das die literarische Kom-petenz jenes Kollegiums richtet. Die „Aesthetischen Feldzüge" aberempfand es als ein Attentat just auf die Autorität, als deren Hüterines bestellt war. Die Worte der Zueignung schon, erklärte es am20. Mai 1834 durch seine Mitglieder Wilken, Neander und Tzschoppe,machten es nicht zweifelhaft, in welchem Sinne dies Buch geschriebensei. „Die Jugend wird als in Fesseln befangen dargestellt, und dieUniversitäten, wie sie jetzt bestehen, oder noch künftig umgeschmolzenwerden sollen, [werden] als Sklaverei angesehen, aus welcher nichtsErsprießliches hervorgehen könne. Der Verfasser weist nicht undeut-lich darauf hin, daß er bei diesen Vorlesungen auf einer norddeutschenUniversität der Volkstribun gewesen sei, zu welchem die auf S. IX[des Vorworts] genannten Männer [Fichte, Schelling, Niebuhr undSchleiermacher] zwar auch berufen, aber durch ihre Universitäts-stellung untüchtig geworden wären. Preußen wird der Plan der Uni-versitätsveränderungen S. VII beigemessen, und dieses Plans mitBitterkeit und Satyre erwähnt." Aber auch im Buche selbst fändensich mehrere anstößige Stellen, z. B. auf S. 33, 37, 46 und 48- Hier