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1 (1924)
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6o 5 WIENBARG

Kunst der Rebellen" (Leipzig, Brockhaus). — 1864 folgte eine neueVeröffentlichung aus Varnhagens Nachlaß, „Briefwechsel zwischenVarnhagen und Ölsner nebst Briefen von Rahel" (Stuttgart 1865). Alsder Verlag A. Kröner in Stuttgart Oktober 1864 das Werk ankündigte,ließ Polizeipräsident v. Bernuth sofort anfragen, ob man näheres dar-über vor Erscheinen erfahren könne. Der Stadtdirektor Majer in Stutt-gart konnte aber keine Auskunft geben. Anfang Dezember lag der1. Band in Berlin vor, „eignete sich aber nicht zur Beschlagnahme",trotz etlicher bedenklichen Stellen (S. 107. 236. 242. 261 f. 274/76) ; derInhalt erschien vielmehr „ebenso geistvoll wie interessant". Die „Per-lustrierung" des 2. Bandes Anfang Januar 1865 ergab sogar, daß Varn-hagen „zu jener Zeit noch bei allem, was er schrieb, eine ehrenhafteVorliebe für Preußen und dessen König im Herzen hegte und pflegte".Ebenso wurde beim 3. Band (30. Januar 1865) hervorgehoben, daßer — der Briefwechsel mit Ölsner endete mit dessen Tode 1828 — vonden Mitgliedern des Königshauses „mit Liebe und Ehrerbietung"spreche; nur einige „starke Äußerungen" über die Prinzen Heinrichund Louis Ferdinand (S. 198!) fielen auf. Mehrere Stellen über dieSchauspielerin Stich und den Grafen Blücher hatte Ludmilla selbstgestrichen, da die erstere, Madame Crelinger, noch lebte.

1867 folgten aus dem unerschöpflichen Nachlaß zwei Bände „Briefevon Chamisso, Gneisenau" usw. (Leipzig, 1867). Geheimrat Fried-laender im Berliner Polizeipräsidium nannte sie eine „schlaue Buch-händlerspekulation auf den Namen Varnhagen"; im 1. Bande seiendie Bemerkungen Ludwig Tiecks, „des langjährigen Pensionärs desgroßmütigen Friedrich Wilhelm IV., wenig passend". Die „böse Zungedes alternden Blaustrumpfs" (Ludmilla Assing) schone sogar die eigeneTante (Rahel) nicht, so wenig wie Wilhelm v. Humboldt; „beiderBriefe gereichen nicht zum Ruhme der Verfasser". Zum Einschreitenboten aber die Briefe keine Handhabe. — Ganz unbeachtet blieb an-scheinend von Seiten der Polizei das Ergänzungswerk zu VarnhagensTagebüchern „Blätter aus der preußischen Geschichte" (5 Bände, Leip-zig 1868/69). Im Jahre 1867 hatte Ludmilla zwei Bände Schriften vonGuiseppe Mazzini übersetzt. Wegen seiner „Apostrophe an den Papst"(II, 185) wurde ein amtliches Einschreiten erwogen, aber der Polizei-präsident hielt „das Machwerk einer Beschlagnahme nicht wert". DieÜbersetzerin sei obendrein amnestiert und habe sich nach ihrer Ver-urteilung „expatriiert". Ludmilla Assing hatte das italienische Staats-bürgerrecht erworben. (Akten des Geh. Preuß. Staatsarchivs, Rep. yyTit. 381 Nr. 15 und Geh. Praes. Reg. Lit. H Nr. 612.)

WIENBARG, LUDOLF (1802—1872).

Von allen Schriftstellern des weiland „Jungen Deutschlands" istWienbarg der am wenigsten bekannte, und doch stand er einmal, wenn