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1 (1924)
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führte die Gründe an, die ihn zur Aufhebung des Verbots veranlaßthätten, und fügte hinzu: ,Ich selbst habe das Werk mit vorsichtigerSorgfalt gelesen; ich habe mich bei jeder Szene gefragt, ob ich diesesDrama in der Begleitung meiner Frau würde anhören können ? Underst als ich diese Frage bejahen mußte, habe ich im Aufsichtswegeeingegriffen.'

»iSie'hätten sich fragen sollen,' entgegnete der Kaiser, ,ob Sie auch111 Begleitung Ihrer Tochter jede Szene anhören könnten?'

„Der Minister führte in ehrfurchtsvoller Replik aus, daß vor dieserI'rage auch Werke der klassischen Literatur, welche den köstlichstenRepertoirebesitz der Königlichen Bühne bilden, nicht standhalten wür-den. Aber das Ergebnis dieses Zwischenfalles war doch die Frage desMinisters an mich, ob ich nicht Hermann Sudermanns Werk jetzt all-mählich im Spielplan .versickern' lassen könnte ? . . . Man begreift,daß ich dem Minister, der mir und dem Autor eine so seltene Konni-venz bewiesen hatte, mit einigen ausweichenden Höflichkeiten ant-worten mußte."

Das Berliner Verbot blieb übrigens keineswegs vereinzelt. Die In-itiative ging aber, wie es scheint, anderwärts von einem gewissen Teildes Publikums aus, dem dieser indiskrete Blick hinter die sittlichenKulissen peinlich war. In Braunschweig war „Sodoms Ende" schonmehreremal gespielt worden, als plötzlich (20. Juli 1892) ein Polizei-verbot die Wiederholungen abschnitt. Ebenso in Kassel. — In Hallewollte der christlich-theologische Studentenverein „Sodoms Ende" am2. Dezember 1891 zu Fall bringen, das übrige Publikum aber wahrtesein Hausrecht und ließ die Lärmmacher hinausschaffen. Vor demTheater wurde im Auftrag einiger „Sittlichkeitsvereine" ein Flugblattverteilt, und in-einem weiteren Flugblatt suchten die exilierten Stu-denten den beabsichtigten Radau zu verteidigen: das „verletzte Sitt-lichkeitsgefühl" habe sich äußern wollen, die Forderungen der Sitt-lichkeit ständen höher als die des Anstandes, und gegen einen Ver-gleich mit Schillers Jugenddramen müsse man protestieren. — InBielefeld machte die „Neue Westfälische Volkszeitung" gegen Suder-mann mobil; ihr Redakteur Lange und ein Pastor Iskraut beriefeneine Protestversammlung ein, die von Sozialdemokraten gesprengtwurde; eine zweite Zusammenkunft produzierte eine Resolution gegen„Sodoms Ende", nicht einmal unter Einstimmigkeit der wenigen An-wesenden ; es waren einige darunter, „die die Bielefelder Moral fürwiderstandsfähig genug hielten, um Sodoms Ende zu überleben"(„Magazin für Literatur", 1891, S. 799. 831, und 1892, S. 29). Dieübereifrigen Frömmler in Halle und Bielefeld verwies Adolf Harnackin den „Preußischen Jahrbüchern" zur Ruhe mit den Worten: „Wenndes Mephistopheles Witzwort von keuschen Ohren und keuschen Her-zen zur ernstgemeinten Vorschrift für den Dichter werden sollte, so