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1 (1924)
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SUDERMANN 586

Türen fand, die Anwesenheit bei der Probe gestatten dürfen. DerEindruck der Darstellung war tief ergreifend. Im Mittelpunkte standJoseph Kainz, der die Gestalt des Willy Janikow mit seiner ganzenpersönlichen Liebenswürdigkeit und Jugendwärme durchströmt hat.Alle andern Künstler, von der entscheidungsschweren Bedeutung derProbe besonders erregt, gaben jeder an seiner Stelle das Beste undReifste ihrer Kunst . . . und da über dieser ganzen Vormittagsauf-führung eine seltsam ehrfürchtige Stimmung lag, eine Art von be-fangener Andacht, so ist vielleicht das Werk nie wieder mit so voll-endeter Wärme und Ehrlichkeit auf der Bühne gegeben worden."

Der Bericht der drei Ministerialräte dürfte der Schilderung Blumen-thals entsprochen haben. Am selben Tag (30. Oktober) erklärte derMinister dem Polizeipräsidenten, daß er das gänzliche Verbot von„Sodoms Ende" nicht für gerechtfertigt zu halten vermöge. „DerGrundgedanke und die Tendenz dieses Dramas ist keineswegs eine un-moralische, sie ist namentlich im Vergleich mit der Tendenz und derGesamthaltung einer Reihe von Stücken französischen Ursprungs (z. B..Die Firma Rondinot', ,die Marquise' usw.), deren Aufführung ineinem hiesigen Theater noch neuerdings polizeilich genehmigt wordenist, sogar als eine moralische zu bezeichnen!" Etliche Redewendungenseien zwar an sich und durch das Kolorit, das sie einigen Situationenverleihen, bedenklich, aber die seien jetzt entfernt, und zu den an-gegebenen 17 Streichungen kämen noch zwei weitere (S. 60 und 130),zu denen sich Blumenthal bereit erklärt habe. Auf S. 130 müßten nurnoch die Worte : „daß unser Herrgott nicht dabei war, als sie geschaffenwurden" fortfallen. Dann möge die Polizei „mit tunlichster Be-schleunigung" die Freigabe des Stückes verfügen. Das tat Herrv. Richthofen sofort, am 31. Oktober erteilte er „auf Anordnung desHerrn Ministers des Innern nachträglich" die Genehmigung, und„Sodoms Ende" durfte nun am 1. November in Szene gehen. Der Er-folg war nicht so unbestritten wie bei der „Ehre", den unbefangenenEindruck hatte das Zensurintermezzo gestört, das Stück war zumZankapfel der Parteien geworden (vgl. Franz Servaes, „Sodoms Endeauf der Bühne" im „Magazin für Literatur" 1890, Nr. 45). Diese pole-mische Stimmung schwand erst bei den Wiederholungen. MinisterHerrfurth errang sich durch sein freimütiges Verhalten zwar denDank aller literarischen Kreise, nicht aber den seines allerhöchstenHerrn. Auch davon erzählt Blumenthal (S. 34) :

„Hermann Sudcrmanns Drama hatte sich längst im Spielplan desLessingtheaters eingebürgert, als ich eines Tages in früher Stundeaus der Geheimkanzlei des Ministeriums des Innern ein Schreiben er-hielt, durch das ich zum Minister berufen wurde. Hier wurde mir er-öffnet, daß der Kaiser beim jüngsten Vortrag des Ministers das Ver-bot von ,Sodoms Ende' zur Sprache gebracht hätte. Der Minister