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1 (1924)
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585 SUD ERMANN

brachte die Satire „Sodoms Ende. Ein lustiges Puppenspiel für großeund kleine Kinder von Maximilian Kraemer". „Sodoms Ende" unddie Theaterzensur, Sudermann und v. Richthofen beherrschten wochen-lang die ganze Presse. Das „Magazin" richtete seitdem eine ständigeRubrik ein: „Kunst und Polizei."

Der Minister hielt Wort. Er las das Stück sofort und erklärte amnächsten Tag (24. Oktober) dem Theaterdirektor, es sei „zweifelloseine tiefernste, wenn auch zum Teil gewagte Arbeit", an der er nureine Anzahl von Stellen ausgemerzt wünsche. Mit diesen Änderungenmöge Blumenthal das Stück nochmals dem Polizeipräsidenten ein-reichen — vielleicht werde ihm dann jeder Eingriff erspart. Noch amselben Tag befolgte Blumenthal diesen Rat und richtete an die Polizeieine neue Eingabe: ehe er den gesetzlichen Instanzenweg beschreite,wolle er versuchen, die Bedenken gegen Einzelheiten des Stücks, dessen„tragischer Grundgedanke jede Möglichkeit einer unsauberen Wirkungausschließe", durch eine Anzahl von Kürzungen zu beseitigen; daherhabe er siebzehn Sätze (S. 53 f. 63. 65. 75. 88. 91 f. 201. 224. 252 f. 279 f.281 f. 304 f. 346) gestrichen. Ein Duplikat dieser Bearbeitung sandteer gleichzeitig an den Minister. Am 27. Oktober aber erhielt er dieAntwort, daß sich der Polizeipräsident „auch nach nochmaliger Er-wägung" nicht veranlaßt sehen könne, die Genehmigung zu erteilen,da das Stück „in seiner ganzen Anlage und Durchführung geeigneterscheine, das sittliche Gefühl zu verletzen" und dieses sittenpolizei-liche Bedenken auch durch Streichung „einzelner besonders anstößigerStellen nicht behoben" werden könne. — Unterdes hatte, ebenfalls am24., der Minister vom Polizeipräsidium Bericht eingefordert, und Herrv. Richthofen konnte nun (28. Oktober) melden, daß er auch Blumen-thals zweites Gesuch mit der vorstehenden Motivierung abgelehnthabe; außer dem Lektor und dem Dezernenten habe auch der Leiterder politischen Polizei das Stück gelesen.

Nunmehr war der Minister an der Reihe. Er stellte nur noch eineBedingung: da bei Werken dieser Art alles auf die Form der Dar-stellung ankomme und er durch Freigabe des Stückes die persönlicheVerantwortung trage, müsse vor einer Kommission von drei Ministerial-räten eine Generalprobe stattfinden, die mit der Abendaufführung injeder Einzelheit übereinstimme. „Auf Grund dieser Verfügung", er-zählt Blumenthal, „fand im Lessingtheater am 30. Oktober 1890 diemerkwürdigste Theaterprobe statt, die ich in meiner zehnjährigenTätigkeit zu verzeichnen hatte. Eine Geheimprobe, der außer demRegisseur der Vorstellung, Herrn Anton Anno, und dem Autor ledig-lich die drei Ministerialräte beiwohnten, die der Minister entsandt hatte.Mit besonderer Genehmigung der Herren hatte ich nur noch HerrnErnst Hartmann, der vom Hofburgtheater delegiert worden war, umder ersten Aufführung des Stückes beizuwohnen und nun verschlossene