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tigung zu jedem Verbrechen. Daß eine Verbreitung derartiger Theorien,denen vielfach eine practische Nutzanwendung in dem Werke gegebenist, dem gemeinen Wohle Gefahr bringend ist, bedarf keiner Aus-führung." (Dem verdienstvollen Stirnerbiographen John Henry Mackaysei dieser kleine Beitrag zur Geschichte des Hauptwerkes seines Hel-den gewidmet; benutzt wurden dazu die Akten des Preußischen Geh.Staatsarchivs Rep. 77 II L 34 und Ausw. Amt Rep. IV 196 Vol. 4und 5.)
SUDERMANN, HERMANN (geb. 1857).
Von den Dramen Sudermanns haben zwei in der Geschichte derTheaterzensur eine bedeutsame Rolle gespielt: „Sodoms Ende" und..Johannes". — Nachdem Sudermann am 27. November 1889 mit seiner„Ehre" einen beispiellosen Erfolg im Berliner Lessingtheater errungenhatte, der sich auf allen Theatern der Welt behauptete und den Wider-stand rückständiger Bühnenleiter gegen die neue realistische Literaturendgültig brach, sah man dem zweiten dramatischen Debüt des Dich-ters mit besonderer Spannung entgegen. „Die Ehre" (ursprünglich„Zweierlei Ehre" betitelt) war anstandslos durch die Berliner Zensurgeschlüpft, die daran nur einen „realistischen Beigeschmack" empfand.Das hielt allerdings andere Behörden nicht ab, sich des ihnen un-behaglichen Stückes zu erwehren; so erfolgte z. B. ein Verbot inKassel, und auf die Beschwerde des Theaterdirektors antwortete derRegierungspräsident, daß „größere und achtbare Kreise der hiesigenEinwohnerschaft berechtigten Anstoß daran genommen" hätten. Dasgleiche begab sich im November 1891 in Erfurt. Doch waren dieseFälle so vereinzelt, daß die Direktion des Lessingtheaters die Ein-studierung von „Sodoms Ende" unbedenklich in Angriff nahm unddie Premiere auf den 27. Oktober 1890 ansetzte, nachdem sie das Text-buch vorschriftsmäßig am 7. Oktober dem Polizeipräsidenten v. Richt-hofen eingereicht hatte. Aber noch drei Tage vor der schon ange-kündigten Aufführung war die erwartete Genehmigung noch nicht da.Nunmehr eilte der Direktor des Lessingtheaters, Oskar Blumenthal,persönlich zum Polizeipräsidium, um Gewißheit zu erhalten. Blumen-thal hat den weiteren Gang dieser Zensurhandlung in seinem Büch-lein „Verbotene Stücke" (Berlin 1900, S. 14 ff-) geschildert und hierauch die verschiedenen Schriftstücke mitgeteilt, die in dem kurzen,aber um so heftigeren Kampfe gewechselt wurden, so daß hier ihrevollständige Wiederholung unnötig ist. — Über die Zulässigkeit von„Sodoms Ende" war man im Polizeipräsidium zunächst geteilter An-sicht. Der erste Lektor Busse hatte sogleich erklärt, das Stück sei„hyperrealistisch", und diese „naturalistische Richtung" eigne sichseiner unmaßgeblichen Ansicht nach „kaum für eine öffentlicheBühne". Hier ist also die Keimzelle des Wortes, das der Polizei-