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1 (1924)
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535 SCHILLER

am 31. August 1805 z " Protokoll gab, „als ein unmoralisches, alle Bandeder Gesellschaft auflösendes, höchst gefährliches Theaterstück, wedernach der Idee des Verfassers noch in irgend einer Umarbeitung zurtheatralischen Vorstellung geeignet" seien. Kurz vor seiner Amtsent-setzung (20. Juli 1808) aber steckte er ein Loch zurück. Die adligenUnternehmer, die seit 1807 das Hoftheater, das Kärtnertortheater unddas an der Wien gepachtet hatten, ließen im Juni 1808 das Stück neubearbeiten und baten dringend um die Erlaubnis zur Aufführung, „davorzüglich bei der jetzt eingetretenen Sommerzeit für gute und inter-essante Spektakel gesorgt werden muß". Dieser Notschrei der Kava-liere machte Eindruck. Zwar habe sich „von jeher die allgemeineStimme gegen diese Jugendarbeit Schillers erhoben", antwortete Sume-rau am 13. Juli, aber er sei doch einem Versuch nicht abgeneigt, „obdieses Stück nicht einen widrigen Eindruck auf das Publikum zurück-lasse". Einige Änderungen wurden noch verlangt, der Titel nach säch-sischem Muster in „Carl Moor" verwandelt, und in dieser Gestalt wurdedas Stück erlaubt. (Grillparzer-Jahrbuch XXV.) Von einem „wid-rigen Eindruck" der „Räuber" melden die Akten der Polizeihofstellenichts, und der Versuch wurde ebenfalls auf der Leopoldstädter undJosefstädter Bühne gemacht, ohne daß die Ruhe der Kaiserstadt da-durch gestört wurde. Natürlich war alles Revolutionäre aus der Dich-tung beseitigt. U. a. war während der Regierungszeit des Kaisers Franz(1792—1835) die Frage des Räubers Schweizer an seinen KollegenRoller, als sie den Absagebrief des „zuckersüßen Brüderchens" FranzMoor an Karl lasen: „Franz heißt die Canaille?" streng verboten,denn, meinte ein Zensor, „das könnte als eine Anspielung auf — Se.Majestät den Kaiser genommen werden" ! —

Über das Schicksal der Buchausgabe der „Räuber" liegen zuver-lässige Nachrichten nicht vor. 1814 übersetzte der Jurist Swoboda die„Räuber" ins Tschechische; die Übertragung durfte aber nicht imDruck erscheinen; da das Stück auf die Jugend und „eine gewisseKlasse von Menschen" einen solchen Eindruck gemacht habe, sei esgar zu gefährlich, „es einzeln, zumal ins Böhmische übertragen, alsofür die mindere Klasse, die nicht deutsch könne", zu verbreiten.

Nach der allgemeinen Zensurverschärfung, die 1819 mit den Karls-bader Beschlüssen einsetzte, verschwanden auch die „Räuber" wiedervon den Theatern Wiens und Berlins. Hier wurden sie schon 1825vom Grafen Brühl, anscheinend in ihrer echten Fassung, wieder-hervorgeholt, obgleich der König sie nicht leiden konnte (Notiz Varn-hagens vom 24. April 1826) ; noch 1838 durfte Karl Seydelmann seineGlanzrolle Franz Moor in Berlin nicht vorführen, eben dieser Ab-neigung des Königs wegen (s. Hensel, „Familie Mendelssohn" II, 61).Überhaupt war Friedrich Wilhelm IV. ungehalten, wenn so viel Trauer-spiele oder ernste Schauspiele gegeben wurden; Possen waren ihm