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lieber, möglichst mit Ballett. In Wien durften die „Räuber" erst am10. September 1830 „in ganz neuer Gestalt" im Theater an der Wienwieder aufleben. Eine neue „Bearbeitung" des Theaterdirektors Carlbefriedigte endlich das durch die Julirevolution besonders empfindsamgewordene moralische Bedürfnis des Zensors. Den von Carl „ver-plümickten" Räuberhauptmann (des Ausdrucks „verplümicken" bedientsich schon Frh. v. Knigge 1793: „Ueber Schriftsteller und Schrift-stellerey", S. 248) ereilte die verdiente Strafe; seinen Entschluß, sichfreiwillig dem Richter zu stellen, wie der Dichter das gewollt hatte,konnte er am Ende auf dem Wege zum Amt noch bereuen. Der Direk-tor Carl hatte ihm dieses Hinterpförtchen verrammelt: nach seiner„Bearbeitung" fiel Karl Moor am Schluß schwer verwundet den ver-folgenden Soldaten in die Hände, während seine Komplizen in Kettengelegt wurden. Fiat justitia, pereat mundus — Gerechtigkeit, und wennauch die Welt zugrunde geht — wenigstens die Welt des Dichters!
Die Angst der Polizei in den aufgeregten Zeiten des Vormärz hattedann Schillers Jugendwerk auch in den haarsträubendsten moralischenBearbeitungen längst wieder von den Wiener Bühnen verbannt, dieAufführung war noch 1847 dem Theaterdirektor Pokorny verweigertworden, und selbst durch die nur kurze Zeit offene Tür der Zensur-freiheit des Jahres 1848 war es noch nicht auf die Hofbühne gelangt.„Noch Anno 1850", erzählt Laube in seinem „Burgtheater", „lagendie .Räuber' für das Burgtheater wie auf einer unnahbaren Insel imfernen Ozean. Wir aber rüsteten eine Expedition, um diese Insel zuerobern. Anschütz stand als Schweizer auf Deck. Löwe als Spiegel-berg, und so fort lauter erfahrene Jünglinge; Fichtner als Hermannder Bastard stach beinahe ab. Die beliebte Form für zu hoch oder zuniedrig hängende Früchte, das Gesuch um eine Wohltätigkeitsvor-stellung, war unsere Flagge, und nicht ohne Zagen meldeten wir unsmit diesem verwegenen Unternehmen bei unserer Behörde. Als wireintraten, flüsterte mir Anschütz zu: ,Doktor! Wir erleben ein Un-glück und werden mit Schimpf und Schande fortgejagt!'" — DerOberstkämmerer, oberste Theaterdirektor und zugleich Zensor GrafLanckoronski war ein Tory von strengen Grundsätzen, aber einer vor-sichtigen, logischen und ehrlichen Beweisführung nicht immer unzu-gänglich, und wenn er auch in den Tagen der wiedereingeführten Zen-sur eine große Reihe von Stücken mit roten Kreuzen versehen hatte,war er doch im Laufe des Jahres und bei den Erfolgen des neuenartistischen Direktors Laube etwas milder geworden. Auch handelteer nicht gern gegen die Strömung von oben her, und diese war 1850noch nicht ausgesprochen antiliberal. Er ließ sich damals noch daranerinnern, daß sein Schwager, der Minister v. Stadion, an der jetzigenliberalen Verfassung starken Anteil gehabt habe. Unter solchen Um-ständen dürften wohl auch die „Räuber" —