SCHILLER 534
erlebte sechs Darstellungen. Vielleicht gab ein Gastspiel Ifflands da-zu Anlaß, und der gestrenge Herzog drückte ein Auge zu; der großeErfolg eines seiner Karlsschüler mochte ihn schließlich mit dessensubordinationswidrigem Wesen versöhnt haben. (Vgl. Krauß im„Euphorien" XII.)
Ein anderer Bearbeiter, namens Thomas, trieb es noch ärger. Erbrachte die Tragödie zu einem gemütlichen Ende: Nur Franz Moorwar und blieb tot; den Vater, Amalie, Schweizer, Karl, alle ließ er amLeben, Karl und die Räuber umkehren, Amalie mit ihrem Geliebtenglücklich werden, den Alten ins Kloster gellen und die übrigen in dieweite Welt. An diesem beruhigenden Ausgang sollen sich die Bieder-leute in Stralsund und Rostock weidlich ergötzt haben. (Vgl. Boas,„Schillers Jugendjahre" II, 87.) Aus dieser reumütigen Umkehr machteeine Frau v. Wallenrodt 1801 sogar ein eigenes Drama „Karl Moorund seine Genossen nach der Abschiedsszene beim alten Thurm", dieRäuber entwickeln sich alle zu Engeln und werden begnadigt. Schon1785 hatte ein Unbekannter es sogar fertig gebracht, die Räuber ganzaus dem Stück hinauszuwerfen und in Leipziger Studenten zu verwan-deln. (Über diese Bearbeitung „Die Grafen von Moor" s. Näheres im„Euphorion" XII, 627ff.) In Danzig legte sich die Polizei ins Mittelund verbot die „Räuber" als ein „unmoralisches, sittenbeleidigendesStück". —
In Leipzig, berichtet der Schillerbiograph Brahm, ereignete es sich,daß, während man auf der Bühne die „Räuber" spielte — die dortigeUraufführung fand am 20. September 1782 statt —, in der Stadt so-wohl wie im Theater Kollegen des Schufterle feste Griffe in fremdesEigentum taten, „welches natürlich viel Gerede verursachte und dendortigen Magistrat bewög, die fernere Aufführung des Stückes zu ver-bieten". In Leipzig spielte man Anfang des neunzehnten Jahrhundertsnicht die „Räuber", sondern einen abgeschwächten „Carl Moor". Alsder Wiener Polizeipräsident v. Sumerau 1808 die Aufführung des be-arbeiteten „Carl Moor" ausnahmsweise wieder gestattete, berief ersich darauf, daß dieser Titel auch am Dresdner Hoftheater gebräuch-lich sei; bei der ersten dortigen Aufführung 1782 hatte der echte Titelkeinen Anstoß erregt. Selbst die weimarischen Schauspieler durften1801 in Lauchstädt nur einen „Carl Moor" spielen. Den Sommer zu-vor war ihnen auch das verboten worden. —
Jahre hindurch hatte man Schillers „Räuber" immerhin auf denkleineren Theatern Wiens ihr Wesen treiben lassen, selbst die Furchtvor der Revolution hatte vor diesem Meisterwerk die Segel gestrichen.Natürlich waren nur die früheren, von der Zensur genehmigten Be-arbeitungen erlaubt. 1804 wurde Freiherr v. Sumerau Präsident derPolizei- und Zensurhofstelle, und eine seiner ersten Regierungshand-lungen als Theaterzensor war ein Verbot der „Räuber", die, wie er