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1 (1924)
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SCHILLER

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bildet, aber die Freiheit brütet Kolosse und Extremitäten aus", hießes jetzt: „Der Friede hat noch keinen großen Mann gebildet, aber derKrieg brütet Kolosse und Helden aus 1" Und wozu sich schließlichder Dichter selbst nicht bequemen wollte, das änderte der Intendanteigenmächtig. Alles „Unschickliche" wurde beseitigt. Hatte beiSchiller Franz der Amalia gedroht: „Meine Mätresse sollst du werden,daß die Weiber mit Fingern auf dich deuten", so hieß es nun bei Dal-berg in lächerlicher Entstellung: „Ich will dich so mißhandeln, daßdie Weiber mit Fingern auf dich deuten." Und sogar den epigram-matisch wuchtigen Schluß „Dem Mann kann geholfen werden", hatDalbergs Hand nicht verschont, sondern durch leere Breite abge-schwächt: „Dem Mann kann geholfen werden — Er führe michvor den Richter — ein Glücklicher mehr. (Sonnen-Untergang.) Ichsterbe groß durch eine solche That! und finde vielleicht Verzeihungvom Himmel durch diese That!"

Der Uraufführung der „Räuber" in Mannheim hatte Schiller selbstbeigewohnt; ohne Urlaub hatte er sich zweimal aus Stuttgart fort-gestohlen. Diese gegen alle Disziplin der Karlsschule verstoßendenAusflüge des Regimentsarztes waren dem Herzog von Württembergverraten worden. War Herzog Karl auch großsinnig genug, die Auf-führung der „Räuber" hinter seinem Rücken nicht gerade als ein un-erhörtes Verbrechen zu betrachten, und auf den durch ganz Deutsch-land widerhallenden Erfolg eines seiner Karlsschüler wohl auch einwenig stolz, so ging ihm doch die militärische Zucht über alles, undneben einem vierzehntägigen Arrest erhielt der Dichter den strengenBefehl, nichts mehr außer medizinischen Arbeiten zu schreiben oderdrucken zu lassen und jeden Verkehr mit dem „Auslande" zu meiden.Diese Präventivzensur, die der Herzog von Württemberg über Schil-lers noch ungeborene Geisteskinder ausübte, zwang den Dichter zuseiner tollkühnen Flucht aus Stuttgart, die bei seiner militärischenStellung und dem jähzornigen Charakter des Herzogs auf Leben oderTod ging. Am 22. September führte er sie in Begleitung seines Jugend-freundes Andreas Streicher glücklich aus.

Welche Schwierigkeiten ein in jedem Nerv so revolutionäres Stückwie Schillers „Räuber" in Wien zu überwinden hatte, ist leicht zu er-messen. Auf das Burgtheater kamen sie überhaupt erst 1850 durchHeinrich Laubes Energie; auf den kleineren Theatern hatte der Zen-sor sie gelegentlich schon früher passieren lassen. Aber in welcherVermummung! Ihre Wiener Erstaufführung erlebten sie 1784, alsozwei Jahre nach der Mannheimer Uraufführung, auf dem Kärntner-tortheater, wo sonst meist Hofoper, Ballett und Singspiel heimischwaren. Der Lustspieldichter Johann Rautenstrauch hatte SchillersErstling „bearbeitet" und mit Rücksicht auf das vierte Gebot den VaterMoor, so versichert wenigstens der Wiener Schriftsteller Castelli, in