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1 (1924)
Seite
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527 v. RAUMER

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Raum er: „Gut, ich will zahlen, unter der Bedingung, daß ich dasletzte Wort behalte, und das Ministerium mein Schreiben vom 10. Au-gust nebst dessen Beilage stillschweigend hinnehme."

So zu lesen in Raumers „Lebenserinnerungen und Briefwechsel"(II, in f.). Auf diesen Vertrag ging Herr v. Kamptz willig ein, waser um so leichter tun konnte, als das Verfahren gegen Raumer aus-nahmsweise nicht von ihm ausgegangen war.

Nach und nach ärgerte sich das Oberzensurkollegium darüber, daßRaumer, seitdem es seine Rektoratsrede von 1822 „wie ein Quintancr-exercitium durchkorrigirt" hatte, die Sitzungen ostentativ nicht mehrbesuchte. Man forderte ihn deshalb nachdrücklich dazu auf. Daraufhinnahm Räumer am 30. Oktober 1831 seine Entlassung. Es sei ihm un-möglich, sagte er in der Begründung seines Gesuches, sich mit Über-zeugung dem bisherigen Verfahren des Oberzensurkollegiums anzu-schließen. „Anstatt nämlich die schreibende und lesende Welt fürgrößere, echte Freiheit zu erziehen und, ich möchte sagen der literari-schen Großjährigkeit immer näher zu bringen, hat vielmehr die Strengeund Ängstlichkeit der Aufsicht allmählich zugenommen, so daß Preußen(einst in dieser Beziehung der freigesinnteste und der Treue, sowiedem Verstände seiner Unterthanen am meisten vertrauende Staat)jetzt fast hinter allen zurücksteht. Die Zahl der Verbote von Büchernund Zeitschriften wächst, obgleich dieser geistige Cordon das etwaigeBöse noch weniger abhalten oder vernichten kann, als der" jetzt auf-gegebene, medicinisch-militärische die Cholera. Hierbei wird derwissenschaftlich gebildete Mann behandelt wie ein unerfahrenes Kind,das sich in der Lesebibliothek schlechten Zeitvertreib holt; fremdeBuchhändler beziehen den Vortheil, welcher den einheimischen entgeht,und das Ausland druckt das, was (ich war selbst mehreremal in demFall) hier das Imprimatur nicht erhält. Preußen, auf welches dasübrige Deutschland wie auf seinen Leitstern hinblickte, hat hierdurchunglaublich an Popularität verloren, und zwar durch Maßregeln, die,für sich betrachtet, unbedeutend erscheinen, aber mehr auf die wich-tige Gesamtstimmung der Deutschen wirken, als derjenige glaubt, demes an Verbindungen mit *m Auslande fehlt. Ja, die unwahren undungezogenen Angriffe der Fremden auf Preußen finden nirgends eineangemessene Stätte der Widerlegung, weil man nicht erlaubt, daß nebender Rechtfertigung auch die Anerkenntniß etwaiger Mängel eintrete.Sollte ich mich indessen in dem hier mehr Angedeuteten als Ent-wickelten schlechthin irren, so werden Ew. Excellenz und ein verehrtesCollegium doch billigen, daß ich mich aus einem Verhältniß zurück-ziehe, welches mich zwingen würde gegen meine Überzeugung zuhandeln, und mich für Maßregeln mit verantwortlich machte, die ich