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sagen". Als nun dem Zensor von 1816, dem Geh. Staatsrat Renfner,die „Bundesblüthen" vor Augen kamen, schickte er sie ungelesen demVerleger zurück mit der verweisenden Frage: „Ob er das KöniglicheVerbot nicht kenne ?" — Dieses Mißverständnis wurde allerdings dannsogleich aufgeklärt. Aber die Verse, mit denen die jungen Poeten ihrWerk in den Berliner Zeitungen anzukündigen dachten, wollte derZensor unter keinen Umständen durchlassen. Auf ihre Beschwerdeließ er sich aber wenigstens zu einer Begründung des Verbots herab:„das Wort Freiheit komme zu oft in diesen Versen vor!" AlsMüller darauf entgegnete, der König habe doch vor nicht zu langerZeit selbst dazu aufgerufen, für die Freiheit zu fechten, erhielt er dieAntwort: „Ja, damals!" Ein ehrenwerter Mann berichtet's — Müllerselbst in einem Briefe an seinen Dichterfreund Fouque vom 14. Fe-bruar 1816 (s. „Briefe an Friedrich Baron de la Motte Fouque . . .Herausgegeben von Albertine Baronin de la Motte Fouque. Berlin.1848. S. 274).
PANIZZA, OSKAR (1853—1921).
Im Oktober 1894 erschien im Verlagsmagazin J. Schabelitz in Zürich„Das Liebeslconzil. Eine Himmelstragödie in fünf Aufzügen" vonOskar Panizza, einem früheren Arzt, der sich seit 1890 ganz der Lite-ratur gewidmet hatte. Das Stück spielt zu Ende des fünfzehnten Jahr-hunderts, als zum erstenmal die Lustseuche (Syphilis) im HeereKarls VIII. von Frankreich (daher Morbus gallicus, Franzosenkrank-heit) auftrat, sich mit erschreckender Schnelligkeit über ganz Europaverbreitete und wie eine plötzlich hereinbrechende Pest die entsetz-lichsten Verheerungen anrichtete. Ihr fiel unter andern 1523 der be-rühmte Humanist Ulrich v. Hütten zum Opfer, dessen Andenken das„Liebeskonzil" gewidmet ist.
Die fromme Christenheit des Mittelalters sah in dieser furchtbarenPlage ein Strafgericht des Himmels für ihre fleischlichen Sünden.Zur selben Zeit aber residierte auf dem Stuhle Petri in Rom Alex-ander III. (Borgia), einer der lasterhaftesten Päpste der Kirchen-geschichte, der es sogar wagte, den ihm unbequemen BußpredigerSavonarola 1498 hinrichten zu lassen. Diesen Gegensatz: Gott schicktdie Lustseuche über die sündige Menschheit, während sein irdischerStellvertreter im Kreise seiner Kurtisanen alltäglich die schamlosestenOrgien aufführen läßt, empfand Panizza als eine weltgeschichtlicheSatire größten Stiles auf die gewissermaßen altersschwach gewordeneGottheit überhaupt: in seinem „Liebeskonzil" versuchte er diesen gro-tesken Gegensatz, der ihn als Arzt besonders reizte, aus der Auffassungdes fünfzehnten Jahrhunderts heraus künstlerisch zu gestalten.
„Die christliche Mythologie wird hier behandelt, wie die klassischevon Offenbach behandelt wurde", urteilte der damalige Hermann Bahr;