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1 (1924)
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KORNER 468

schichte einer Deutschen Musterbühne". 1888). Ein preußischer Prinz,Friedrich von Hohenzollern, war ja der Protektor des DüsseldorferTheatervereins. Erst Heinrich Laube versuchte 1860, das Werk inden Spielplan aufzunehmen, und noch damals hatte er lange Kämpfemit der Zensur zu bestehen. Zu durchschlagender Wirkung brachtendas unverstümmelte Werk Kleists erst die Meininger.

Max Grubes 1918 erschienene Erinnerungen „Am Hofe der Kunst"zeigen übrigens, daß die alte Antipathie der höchsten Kreise gegendieses Werk Kleists bis in die jüngste Vergangenheit hinein nicht er-storben ist. Es ist aber für gewisse Gepflogenheiten am Theater be-zeichnend, daß selbst dem Künstler, der seinen Kleist vor dem Kaiser-thron tapfer verteidigt, nicht mehr die ursprüngliche, sondern dieschon bearbeitete Fassung des Dramas vorschwebt. Die Todesfurchtdes Prinzen hat mit seinem „schmachvollen" Ende nichts zu tun; ihnentsetzt, rein menschlich, nur der Anblick des Grabes:

„Seit ich mein Grab sah, will ich nichts als leben,Und frage nichts mehr, ob es rühmlich sei."

Von den übrigen Dramen Kleists spielt nur noch seine „Hermanns-schlacht" in der Geschichte der Zensur eine Rolle. Daß diese Fan-fare zum Kampf gegen den französischen Erbfeind nicht einmal ge-druckt, geschweige denn aufgeführt werden konnte zu einer Zeit, alsdie Hand Napoleons noch auf Deutschland lastete, ist begreiflich. AuchWien wagte sich nicht daran, und es dauerte volle fünfzig Jahre, ehesich das deutsche Theater auf dieses Werk Kleists besann. Der spätereStuttgarter Theaterintendant, Feodor Wehl, hat das Verdienst, sichzuerst an einer Bearbeitung versucht zu haben; er milderte manches,strich die Bärenszene und brachte in dieser Form das Werk auf dieDresdner Bühne. Am 1. Januar 1861 wurde es dort gegeben und mitso großem Beifall, daß König Johann es nach der dritten Vorstellung— verbot. In Berlin wollte man gar nichts davon wissen, aus Furcht,das Publikum werde glauben, mit dem „hinterlistigen" Cherusker-fürsten sei das Haus Hohenzollern gemeint. (S. Wehl, „FünfzehnJahre Stuttgarter Hoftheater-Leitung". 1886.) Es bedurfte erst derkriegerischen Ereignisse von 1870, um diese Bedenken zu zerstören,und in Rudolf Genees Bearbeitung wurde am 9. Januar 1875 die „Her-mannsschlacht" endlich auch auf dem Berliner Hoftheater mit Erfolggeschlagen.

KÖRNER, THEODOR (1791—1813).

Daß die Lyrik der Freiheitskriege den deutschen Reaktionären nach1815 sehr schrill in die Ohren klang, kann nicht eben Wunder nehmen.Das verblüffende „Ja, damals!", das dem jungen Wilhelm Müller 1816vom grünen Tisch des Berliner Zensors streng entgegenklang, wäre