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Bühne profaniert werden durfte. ,J)ie Schlacht bei Fehrbellin" — sohatte man das Werk getauft — wurde von den Wienern bei der erstenAufführung am 3. Oktober „unter Lachen und Zischen" abgelehnt;doch schon am folgenden Tage fand sie ein ernsteres und ver-ständigeres Publikum. Nach der fünften Wiederholung wurde aberjede weitere verboten, da ein Stück, in dem ein Offizier um sein Lebenbittet, unbedingt von demoralisierender Wirkung sei. Der Urheberdieses Verbotes war Erzherzog Karl, der Sieger von Aspern. Dabeihatte der Dramaturg Schreyvogel diese Todesfurchtszene schon ge-mildert ; nicht der Tod an sich schreckt den Prinzen, sondern die Vor-stellung, daß er, der gefeierte Kriegsheld, wie ein feiger Verbrecherenden soll, beraubt ihn aller Fassung. Geändert waren auch die Schluß-worte: „In Staub mit allen Feinden Brandenburgs!" Statt ihrer hießes in Wien: „Ins Feld, zum Sieg, zum Sieg!" (Vgl. W. Kühn, „Kleistund das deutsche Theater". 1912. S. 7$; Schreyvogels Tagebücher;Wlassack, „Chronik des Hofburgtheaters" und die Erinnerungen vonAnschütz.)
Militärische Bedenken beeinflußten auch weiter die Laufbahn desletzten Dramas von Kleist. Am 6. Dezember 1821 ging es über dieDresdner Bühne, von Ludwig Tieck liebevoll einstudiert und, so vielman weiß, getreu dem Text des Dichters; nur drei Verse sollen ge-strichen worden sein. Ganz zuverlässig weiß man das aber nicht, dennes gibt noch eine zweite Bearbeitung des Stückes von Tieck, die sechs-unddreißig Jahre später in München gegeben wurde und der Todes-furcht des Prinzen das gleiche Motiv unterschiebt wie der WienerBearbeiter.
Den stärksten Widerstand gegen die Aufführung leistete aber dieZensur des Berliner Hoftheaters, das seinen Ehrgeiz darein hättesetzen müssen, dieses Werk des märkischen Dichters zum Siege zuführen.
In seinem zweiten Berliner Brief vom 16. März 1822 erzählt Hein-rich Heine, daß der „Prinz von Homburg" noch immer ein „Erisapfel"in den ästhetischen Gesellschaften der preußischen Hauptstadt sei.Eine edle Dame sei der Ansicht, daß „ihr Ahnherr in einer unedlenGestalt darin erscheine", deshalb sei die Aufführung untersagt worden.Auch im zweiten Teil der „Reisebilder", dem „Buch Le Grand", spottetHeine über die berlinischen Gardeleutnants, die es „Feigheit nennen,daß der Prinz von Homburg zurückschaudert, wenn er sein offenesGrab erblickt — Heinrich v. Kleist hatte dennoch ebensoviel Couragewie seine hochbrüstigen, wohlgeschnürten Kollegen, und er hat esleider bewiesen".
Tatsächlich war Ludwig Tiecks Versuch, das Stück auf die BerlinerHofbühne zu bringen, gescheitert, und auch die Bemühungen desSchriftstellers Ludwig Robert, des Bruders der Rahel Varnhagen,