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1 (1924)
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465 v. KLEIST

Einen neuen Ausweg versuchten nach einem Vorschlag LudwigTiecks in den fünfziger Jahren Heinrich Laube und Eduard Devrient.Käthchen ist und bleibt zwar ein unehelicher Sprößling des Kaisers, aberihre Mutter war nicht Theobalds Frau, sondern seine Tochter; umderen Ehre zu schonen, hat er seine Enkelin für sein eigenes Kindausgegeben. „Ein Vater kann solche Liebschaft leichter verzeihenals ein Gatte", meinte Laube. Dieser Großvater Theobald spukte noch1885 auf dem Berliner Deutschen Theater unter August Förster.

Der Stuttgarter Dramaturg Feodor Wehl reinigte das Stück ganzvon seinem moralischen Fehl: Käthchen ist Theobalds echte Tochter,sie wird einfach vom Kaiser adoptiert und zur Herzogin von Schwabenerhoben. Ebenso machte es noch 1904 Artur Seidl am Dessauer Hof-theater. Nur Franz Dingelstedt war 1876 als Direktor des Burg-theaters kühn genug, die Urfassung des Dichters wiederherzustellen.Auch die Meininger blieben ihr treu.

In der Bearbeitung Karl Siegens, die über zahlreiche Bühnen ging,hat schließlich Graf Wetter vom Strahl sein liberales Damaskus erlebt,er findet nichts mehr darin, seine bürgerliche Liebste zu ehelichen.„Fahr hin denn, Ahnenstolz, auf immerdar! Ich opfere dich dem Adelihrer Seele." Es ist ein Zeichen der Zeit, daß diese Lösung des Kon-fliktes seitens der Tageskritik große Zustimmung fand, als wenn erstdurch sie Kleists „Käthchen" dauernd für die Bühne gewonnenworden sei.

Im letzten Lebensjahre Kleists sollte sein eben vollendeter „Prinzvon Homburg" in Berlin auf dem Privattheater des als Faust-Kompo-nist bekannten Fürsten von Radziwill gegeben werden. Nach dem Zu-sammenbruch der „Berliner Abendblätter", die durch die Strenge derpolitischen Zensur unter Hardenberg ruiniert worden waren, hättesolch ein Versuch für den Dichter den Wert einer Lebensrettung ge-habt. Aber ein Soldat, ein gefeierter Held wie der Prinz von Homburg,den angesichts des Todes Angst, ja unmännliche Verzweiflung ergreift,hätte gewiß ein Publikum befremdet, das sich hauptsächlich aus denadeligen Militärkreisen zusammensetzte, die nur darauf brannten, denKampf gegen Napoleon wiederaufzunehmen. Der Dichter selbst ge-hörte dieser preußischen Patriotengruppe an. Herzog Karl vonMecklenburg und andere Offiziere widersetzten sich der Aufführung(Steig, a. a. O., S. 172. 179). So kam es, daß erst zehn Jahre nachKleists Tode dieses vaterländische Vermächtnis Kleists dem deutschenPublikum ausgezahlt wurde. Ludwig Tieck veröffentlichte es 1821 inden „Nachgelassenen Schriften" seines Freundes, und noch im selbenJahre, am 3. Oktober, erschien es auf dem Wiener Burgtheater.

Den richtigen Titel aber hatte der Zensor hier nicht zugelassen, daPrinzen von Hessen-Homburg in der österreichischen Armee dientenund der Name eines souveränen Fürsten überhaupt nicht auf der

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