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1 (1924)
Seite
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46.3 v. KLEIST

ihm die schon aus wirtschaftlichen Gründen stets mildere sächsischeZensur keinerlei Schwierigkeiten bereitet zu haben, und auch seine inBerlin 1810/11 verlegten „Erzählungen" erregten keinen Anstoß. An-ders aber war es mit seinen Dramen, wenn diese über das ungefähr-lichere Buchdasein hinaus nach lebendiger Wirkung auf der Bühnedrängten.

Von den sieben Dramen Kleists gelangten nur zwei zu Lebzeiten desDichters zur Aufführung. Am 2. März 1808 fiel sein „ZerbrochenerKrug" in Weimar derart durch, daß es zu einem auf dem großherzog-lichen Theater noch nicht dagewesenen Skandal kam. Goethe alsDirektor hatte diesen Einakter, dessen anekdotische Pointe nur beiflottem Tempo zur Wirkung kommen kann, in drei Akte zerlegt, unddas schleppende Spiel, besonders des Dorfrichters, stellte an die Ge-duld Anforderungen, denen weder Mitspielende noch Publikum ge-wachsen waren. Obendrein war der Name des Dichters nicht genannt.Zur vollen Wirkung kam das Werk erst 1820, als der HamburgerTheaterdirektor F. L. Schmidt sich seiner annahm. Gemeingut derdeutschen Bühnen wurde es aber erst in den vierziger Jahren. DerZensur bot dieses Lustspiel keine Handhabe.

Wohl aber das „Käthchen von Heilbronn", das zweite Stück, dessenAufführung der Dichter selbst noch erlebte. Vom 17.—19. März 18]:wurde es auf dem Theater an der Wien dreimal hintereinander auf-geführt. In welcher Bearbeitung, ist unbekannt. Man weiß nur, daßsich der Kaiser in einen Herzog von Schwaben hatte verwandelnmüssen, mehrere Personen gestrichen waren, darunter natürlich derErzbischof von Worms — denn alles, was geistlich war oder auch nurdaran erinnerte, war auf der Wiener Hofbühne strengstens verboten —,und die böse Kunigunde zur Strafe ihres Frevels am Schluß in denKerker geworfen wurde (s. Steig, ..Kleists Berliner Kämpfe". 1901.S. T78; Rahmer, „Kleist als Mensch und Dichter". 1909. S. 288ff.).

Rechnen wir noch eine Aufführung des „Käthchens" in Bambergam 1. September 181 1 hinzu, für die E. Th. A. Hoffmann, damalsMusikdirektor und Theatermaler an der dortigen Bühne, die Dekora-tionen schuf, so ergibt das sage und schreibe fünf Darstellungen derWerke Kleists zu Lebzeiten des Dichters. Allerdings waren sein „Prinzvon Homburg" und die „Hermannsschlacht" noch nicht gedruckt,wohl aber handschriftlich bekannt. Der erstere besiegte von 182) ablangsam die Widerstände der Zensur, die letztere brauchte dazu mehrals fünfzig Jahre.

Von allen Dramen Kleists hat sich sein „Käthchen" am erfolgreich-sten die Gunst des deutschen Theaterpublikums erobert, und Drama-turgen und Theaterdirektoren sind in immer neuen Bearbeitungen andiesem Ritterschauspiel zum Ritter geworden. Das meiste Kopf-zerbrechen verursachte ihnen allen die Beseitigung des Punktes, an