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konnte überhaupt von keiner Verhandlung mit der Wiener Theater-zensur mehr die Rede sein. Noch 1844 verbot die Wiener Polizei dieAufführung einer Oper „Der Sandwirt" von Kirchhoff in Brunn, nichtnur der Exekutionsszene wegen, sondern weil „der Stoff eine, dieneuesten Zeitereignisse berührende, für die österreichischen Waffensowohl als für die Regierung keineswegs günstige Tatsache behandle".Das war wenigstens ehrlich! (Vgl. Grillparzer-Jahrbuch XXV, 230.3IS-)—Dreizehn Jahre brauchte Heinrich Laube nach seinem Amtsan-tritt als Burgtheaterdirektor, ehe er die Aufführung des Immermann-schen Werkes durchsetzte, ein ehrenvolles Experiment, ohne daß da-mit je ein Zugstück zu gewinnen war. „Ein vaterländisches Stück warso lange mein Wunsch!" heißt es in seinem „Burgtheater" (S. 412).„Die Bühne ist ja am mächtigsten, wenn sie vaterländische Dingevorführen und aussprechen kann. Jahrelang hatte ich um die Erlaub-niß geworben für diesen ,Hofer' — vergeblich. Da war der PaterHaspinger, da war der Schurke Kolb, geistlich verdächtig, wie sehrich ihn verkleidete [Kolb war übrigens in der Bearbeitung ganz ge-strichen !], da war Dieses und Jenes Grund zur Abweisung — in Wahr-heit blieb es die Scheu vor der Unmittelbarkeit . . . Nur nichts direktaussprechen auf der Scene, was politisch oder auch nur sonstwie treffenkönnte! Selbst nicht patriotisch . . . Dazu ist die Bühne überhauptnicht da, am wenigsten die Hofbühne . . . Da starb mein langjährigerChef, Graf Lanckoronski, ein geborener Pole, und mein neuer Chef,endlich ein geborener Deutscher, nahm lebhaften Anteil an dem Tiro-ler Trauerspiele und gab sofort die Erlaubnis ; Fürst Vincenz Auers-perg gehörte selbst zur Landesverteidigung in Tirol, er erlaubte nichtnur, er förderte lebhaft Immermanns ,Andreas Hofer'." Und am*3- Oktober 1863 ging endlich das Werk über die Bühne des Burg-theaters ; „katholische Priester durften im vollen Ornat auftreten",meldete Plebbel ein wenig ergrimmt seinem Verleger, denn er selbstkämpfte damals noch gegen das Wüten des Zensurrotstifts in seineneigenen „Nibelungen".
Mit Immermanns übrigen Dramen ging es nicht besser. Seine„Schule der Frommen" wurde in Hamburg, Weimar und Berlin wegen.,anstößigen Inhalts" abgewiesen, denn sie war eine Satire auf denPietismus. „Vielleicht", schrieb der Dichter am 22. April 1829 einemFreunde, „können Sie eineUebersetzung davon veranlassen: ,le TartuffeAllemand', dann wird es, zu uns rückübersetzt, schon Eingang fin-den." — Seine Trilogie „Alexis" war 1831 in Berlin nicht durch dieHoftheaterzensur zu bringen, da der russische Gesandte Alopeus Ein-spruch dagegen erhob, daß „irgend ein Fürst der RomanowschenDynastie in zweideutigem Licht auf der Berliner Bühne erscheine. Erhat dies unumwunden einem meiner Verwandten erklärt", schriebMichael Beer dem Freunde (vgl. Fellner, „Geschichte einer Deutschen