IMMERMANN 454
Musterbühne", 1888, S. 11). — „Kaiser Friedrich II." (1828) wurdein Berlin (15. bis 24. Oktober 1829) dreimal gegeben, aber vom Mün-chener Hoftheater aus religiösen Gründen abgelehnt, obgleich, wieImmermanns Biograph Harry Maync zugibt, „die Auffassung desKampfes zwischen der siegreichen Kirche und dem kaiserlichen Frei-geist von einer unverkennbaren katholisierenden Tendenz getragenwird", mit der Immermann es durchaus ernst meinte. — Seinletztes Werk, „Opfer des Schweigens", kam 1838 von der WienerPolizei- und Zensurhofstelle als „zur Aufführung auf dem Hof-burgtheater nicht geeignet" zurück, ohne nähere Angabe von Grün-den (vgl. Holtei, „300 Briefe" II 71. 202). So hat der Dichter nie einlebendiges Verhältnis zur zeitgenössischen Bühne gewonnen, er würdedann wohl als Dramatiker bedeutender dastehen, einen weit höherenSchwung genommen haben; wie leicht wäre es geworden, sagt auchLaube, das „Trauerspiel in Tirol" mit ihm zusammen, wenn er nochgelebt hätte, „hieb- und schußfest" zu machen; daß ihm Theaterblutin den Adern rollte, hat er als Dramaturg des Düsseldorfer Theatersvollauf bewiesen.
Unter Immermanns Prosaschriften weisen „Die Papierfenster einesEremiten" (1822) zwei Zensurstriche auf, in dem Abschnitt „Satiren"ist, wie der Druck selbst angibt, das ganze 3. Kapitel „von der Censuiunterdrückt" (vgl. „Immermanns Werke", herausgegeben von Box-berger, Berlin, Hempel. 9. Teil, S. 86 und 99). Doch können dieseAngaben auch satirische Scherze des Verfassers sein. — Daß aber einsatirischer Roman wie Immermanns „Münchhausen" (1838/39), deralle damaligen Zeitverhältnisse unbarmherzig geißelte, auf jeder Seitedie Zensur herausforderte, ist begreiflich. Es war jedoch ein Glück fürden Dichter und sein größtes Werk, daß er mit dem Kölner Zensor,dem das Buch zur Prüfung übergeben wurde (wahrscheinlich demKonsistorialrat Grashoff), persönlich befreundet war, so daß diesermeist fünf gerade sein ließ, auf die Gefahr hin, sich einen vielleichtherberen Verweis zuzuziehen, als 1824 bei Rousseaus „Agrippina" (vgl.diesen Artikel). Ganz ungeschoren kam aber Immermanns Meister-werk doch nicht davon. So hatte das 2. Kapitel des 1. Buches alsÜberschrift eine Art Bilderrätsel: Stern, zwei Herzen, Wechselformularund Anker, eine symbolische Versinnlichung des Kapitelinhalts, dieder Herausgeber Maync erläutert: „Der Stern ihrer Träume ist Eme-rentien im Birmanen erschienen, beider Herzen stehen in Brand, dawird der Geliebte in Wechselarrest genommen, und ihr bleibt nur dieHoffnung, sogar die ,gute Hoffnung'." In der Handschrift stand anStelle des Sterns ein Symbol des Glaubens, also wohl ein Kreuz; dasstrich der Zensor, weil, wie er am 3. März 1838 an Immermann schrieb,Glaube, Liebe, Hoffnung in Verbindung mit Wechselarrest eine „Ent-heiligung" bedeute. — Im 9. Kapitel verspottet Immermann die Ordens-