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1 (1924)
Seite
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IMMERMANN 45 2

liehe Vorstellungen in Berlin keinerlei Bedürfnis vorlag; von keinerSeite wurde der Versuch gemacht, den Sieg des Goethe-Bundes, derzugleich eine Niederlage des Stücks war, noch weiter zu verfolgen.Auch nach der Revolution ist dieser Versuch nicht gemacht worden.Das Ergebnis der lärmenden Kampagne für Heyse aber war: einezügellose Reklame für ein Werk, das sie nach Stoff und Kunstwertam wenigsten vertrug. Als Entgelt dafür so viel Aufführungen inAmerika, wie er seit Jahrzehnten mit allen seinen Stücken nicht er-lebt hatte, 30000 Mark Tantieme aus dem Dollarlande — die Summebedeutete damals noch etwas! — und zwanzig Auflagen der Buchaus-gabe in wenigen Monaten. Daß er sich dafür bei der Berliner Zensur-behörde bedankt hätte, davon besagen jedoch die Akten nichts.

IMMERMANN, KARL (1796—1840).

Der Landgerichtsrat Immermann ist nie mit der Zensurpolizei inKonflikte geraten, und in den mir bekannten Zensurakten kommt seinName nicht vor; nur die Theaterzensur hat auch ihm einiges ampoetischen Zeuge geflickt. Warum mußte auch gerade sein bühnen-gerechtestes Stück einen Stoff aus der nationalen Geschichte behan-deln! Von seinem „Trauerspiel in Tirol" (1827) wollte man vor allemda nichts wissen, wo die Heimat seiner Helden war, in Österreich;dort war sogar die Lektüre des Werkes untersagt, denn es behandelteeine der Begebenheiten, deren „Ausschlag diesen [nämlich den öster-reichischen] Regenten nachteilig ist", wie es in dem alten Hägelin-sehen Zensurkatechismus heißt. Solche Dinge waren für Kunst so-wohl wie Wissenschaft ein Nolimetangere. „Aus höheren Staats-rücksichten'' verbot man 1817 die anonym bei Brockhaus in Leipzigerschienene „Geschichte Andreas Hofers" von dem österreichischenHistoriker Joseph v. Hormayr, der selbst im Einverständnis mit demErzherzog Johann den siegreichen Tiroler Aufstand gegen die Tyran-nei des Korsen entfacht und in Hofer den Mann gefunden hatte, dener brauchte. An die Kabinettspolitik des Jahres 1809, die schmählicheAufgabe Tirols im Wiener Frieden war man nicht gern erinnert, nochweniger wollte man von der Bühne des Burgtheaters herab an ihreunseligen Folgen, an das Trauerspiel „zu Mantua in Banden" gemahntsein. Im selben Jahr 1817 erklärte die Wiener Zensur die Aufführungeines Dramas „Andreas Hofer" von Wörndle „in politischer Beziehungsowohl, als auch aus billigen Rücksichten für die noch lebenden Fa-milienmitglieder" Hofers für unstatthaft. Wie zartfühlend! Immer-manns wertvollster dramatischer Dichtung waren überhaupt nur wenigeAufführungen beschieden, da sich das mächtigste Theater in Wien ihmversagte, und als er bei der Umarbeitung 1833, die den Titel führt„Andreas Ilofer, Sandwirt von Passeir", gar den österreichischenStaatskanzlcr Metternich wie er leibte und lebte auf die Szene brachte,