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1 (1924)
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HEYSE 430

zu liefern gesucht, daß er als Dramatiker von einer undankbaren Mit-welt und einer einseitig eingestellten Kritik böslich verkannt werde.Es ist hier nicht der Ort, die Berechtigung der Klagen zu prüfen, dieer in seiner Autobiographie „Jugenderinnerungen und Bekenntnisse"(Berlin 1900) darüber angestimmt hat. Das besondere Kapitel, das erhier seinem „Verhältnis zum Theater" widmet, schweigt sich über dieEntstehung der einzelnen Dramen und ihre mannigfaltigen Bühnen-schicksale völlig aus, nicht einmal der Erfolge ist näher gedacht, dieder Dramatiker Heyse doch unleugbar mit Stücken wie „Hans Lange"(1866), „Colberg" (1868) und der „Weisheit Salomos" (1886) er-rungen hat; auch in der erweiterten fünften Auflage seiner „Lebens-erinnerungen" (Stuttgart und Berlin, 1912) gibt er zu jenem drama-tischen Kapitel nur einen kurzen, verstimmten und verstimmendenNachtrag. Der richtenden Nachwelt die Entscheidung überlassend,die er selbst allerdings längst zu seinen Gunsten gefällt hat, stellt erden künftigen Biographen vor die keineswegs leichte Aufgabe, wenig-stens die tatsächlichen Vorgänge als gewissenhafter Chronist zutreffendzu berichten, und gedenkt auch mit keinem Wort des leidigen Zufalls,daß er, der sich von der „schrankenlosen Freiheit" der modernenProblemdramatik so sauber schied und sich mit wehmütiger Resigna-tion auf das berief, was man früher „Poesie" genannt habe, die nurauf „Sensationen" erpichte junge Generation in einem Punkte beiweitem überholt hat: durch einen solennen Zensurskandal, der andert-halb Jahre die Öffentlichkeit in Atem hielt und in seiner kulturhisto-rischen Bedeutung höchstens durch den Kampf um Schnitzlers „Rei-gen" übertroffen wurde. Dieser Skandal knüpfte sich an sein Schau-spiel „Maria von Magdala", das er 1899 schrieb und ad acta legte, alszwei große Theater, denen er das Manuskript einreichte, des biblisch-religiösen Stoffes wegen die Annahme verweigerten. Das eine dieserTheater war die Münchener Hofbühne, deren Zensor in religiösenDingen (nach einer Andeutung des „Berliner Tageblatts" vom 24. März1903) eine hohe kirchliche Würde bekleidete, also wohl der damaligekatholische Erzbischof von München-Freising gewesen sein dürfte.Heyse veröffentlichte das Stück als 32. Band seiner „Dramatischen Dich-tungen" (Berlin 1899) und wartete, seiner Gewohnheit gemäß, dasweitere Schicksal seines Werkes mit überlegener Fassung und Ruhe ab.Zwei Jahre darauf entschlossen sich zwei Theater zur Aufführungder ,rMaria von Magdala". Am 15. August 1901 reichte die Direktiondes Berliner Lessing-Theaters (Otto Neumann-Hofer) das Stück derZensurbehörde ein. Der Referent im Königlichen Polizeipräsidium(Unterabteilung I, Theater) hatte sogleich Bedenken: ein biblischerStoff! Die Aufführung solcher Werke untersagten mehrere Ministerial-verfügungen: Erlasse des Finanz- und des Innenministers (v. Camp-hausen und Graf Eulenburg) vom 24. Juni, 2. August und 8. Oktober