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1 (1924)
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J875, des Kultus- und des Innenministers (Bosse und von der Recke)vom 20. November 1897 und vom 19. April 1901, die alle eine öffent-liche Darstellung von Stoffen des Alten und Neuen Testamentes ver-boten oder doch, seit 1897 (Sudermanns „Johannes"!), Ausnahmenvon einer strengen Prüfung durch die Minister des Kultus und desInnern abhängig machten. (Sie sind abgedruckt im „Ministerialblattder inneren Verwaltung" 1875, S. 271. 1897, S. 265 und 1901, S. 132.)Die Erlaubnis zur Aufführung bedurfte demnach der besondern Ge-nehmigung durch die Ministerien. Direktor Neumann-Hofer bat des-halb am 27. September das Polizeipräsidium, Heyses Werk dort vor-zulegen: die Bedenken gegen biblische Schauspiele träfen gegen „Mariavon Magdala" nicht zu, da die Titelheldin nur flüchtig von den Evan-gelisten erwähnt werde, sonst aber ganz in den Kreis der katholischenLegende falle; auch die übrigen Personen des Dramas — mit Aus-nahme des Judas Ischariot — spielten in der biblischen Geschichteeine weit geringere Rolle als etwa Johannes der Täufer; trotzdem habeSudermanns gleichnamiges Drama mehr als hundertmal auf dem Deut-schen Theater aufgeführt werden dürfen. An Heyses Vorwurf könneunmöglich ein Zuschauer Anstoß nehmen, „im Gegenteil, die edleSprache, der gewaltige Schwung der Gedanken, die Reinheit der Emp-findung erwecken Weihe und Andacht"; durch die Aufführung solcherDramen werde die Schaubühne „ihrem wichtigsten Zwecke zugeführt,erhebend und veredelnd zu wirken". Christus selbst betrete die Bühnenicht; auch die Akt 2, Szene 8 aus dem Hintergrund ertönenden Worte :„Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie",lasse der Dichter nicht von Christus selbst sprechen, sondern voneinem aus der Menge wiederholen. Auch werde das Stück demnächstin Bremen und New York gespielt und seinen Weg über sämtlicheBühnen Amerikas nehmen.

Die Uraufführung in Bremen fand am 12. Oktober statt und hatteeinen starken Erfolg, der, nach den Berichten der dortigen Presse,ebenso den dichterischen Qualitäten des Stücks wie den Vorzügen derDarstellung zu danken war, die Direktor Erdmann-Jesnitzer selbstinszeniert hatte. Zensurbedenken gegen biblisch-heilige Stoffe auf derBühne bestanden in Bremen nicht, die Aufführung des RubinsteinschenOratoriums „Christus" (als Oper mit Bulthauptschem Text) einigeJahre zuvor hatte sie endgültig beseitigt; Heyses Werk wurde dahervöllig ungekürzt gegeben, was die Bremer Direktion dem Dichter hatteversprechen müssen, nur am Schluß des 4. Aktes war aus technischenGründen ein kleiner Strich vorgenommen. Auch aus dem stark ver-tretenen orthodoxen Teil des Theaterpublikums wurde nicht der ge-ringste Widerspruch laut, es zeigte sich vielmehr ein solcher „Enthu-siasmus", wie sich Direktor Erdmann-Jesnitzer (nach einem Brief andas Lessing-Theater vom 17. Oktober) nicht hätte träumen lassen.