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1 (1924)
Seite
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HEINE 420

genug durchgeführt zu haben und Ministerialrat Sulzer bei verdäch-tigen Händlern ohne weiteres die Bücherbestände zu revidieren befahl.In Frankfurt, so meldete der dortige österreichische Spitzel am 13. No-vember (Glossy II, 192), erwartete man sogar ein neues Gesamtverbotdes Campeschen Verlags, denn stärker war Friedrich Wilhelm IV.allerdings noch von keinem deutschen Autor gezaust worden. Tat-sächlich ging auch das preußische Ministerium mit dem Plane um, stießaber beim Oberzensurgericht auf entschiedenen Widerspruch.

Von „Deutschland" hatte Campe gleichzeitig eine Sonderausgabegemacht, zu der Heine, noch in Hamburg, am 17. September eine be-sondere Vorrede schrieb. Am Schluß derselben sagt er ausdrücklich,daß Campe, um den Einzeldruck zu ermöglichen, das Gedicht den über-wachenden Behörden „zu besonderer Sorgfalt" (eine deutliche An-spielung auf Campes oben erwähnten Brief vom 29. August) habeüberliefern müssen ; neue Varianten und Ausmerzungen seien das Er-gebnis dieser „höheren Kritik" gewesen. Es handelt sich dabei offen-bar um die in dem obigen Brief Sievekings aufgeführten sieben Stellen.Einige änderte Heine wohl selbst (nach Strodtmann II, 312) auf denRat des Freundes Wille; auch fügte er Ersatzstrophen ein. Allzu strenghatte der Zensor Dr. Hoffmann es wohl nicht genommen; Campe hatteihn in einem besondern Brief nachgiebig zu stimmen gesucht: es handlesich ja nur um ein „harmloses Märchen", ein wenig Unkraut müsseman bei so viel schönen Blumen schon durchschlüpfen lassen; „demHumor steht vieles frei, das Murrköpfen versagt werden muß". UndDr. Sieveking, der Präsident der Zensurkommission, dem die Zensor-striche vorlagen, meinte wohlwollend: „Es ist schade um die gutenSpaße, doch besorge ich, daß manches von dem Gestrichenen nach denBundesgesetzen nicht wohl zulässig ist. Am sichersten ist es wohl,wenn man den Verleger an den Zensor verweist und diesem dasKommissorium gibt, mit dem Knaben Absalon fein säuberlich zu ver-fahren." Die Äußerung zeigt ganz die nonchalante, fast ironischeÜberlegenheit, mit der Sieveking derartige Bagatellen behandelte.Campe einigte sich darauf wohl schnell mit dem Zensor; nach Heineseigenen Änderungen blieben noch drei bedenkliche Stellen: im III. Ka-put die letzten fünf Strophen über den preußischen Helm und Adlerund die sieben Schlußstrophen des XIX. über Hannover und seinenKönig Ernst August mußten fortbleiben, im XL durfte der Name desHistorikers Raumer, den Heine offenbar zeitlebens mit dem des Onkelsverwechselte, der Vorsitzender des preußischen Zensurkollegiums war,nur durch Sternchen angedeutet werden. (Genaue Angaben im Les-artenapparat zu Elsters Heine-Ausgabe, II, 53gff.) Trotz alledem be-kam dem Zensor das „Kommissorium" schlecht. Im preußischenMinisterium hielt der zuständige Referent Seebode die Sonderausgabezunächst (16. Okt.) für einen „von den gemeingefährlichen und bundes-