Druckschrift 
1 (1924)
Seite
407
Einzelbild herunterladen
 

407 HEINE

mit politischer Hinweisung erschienen wäre, erhielt jetzt den Charaktereiner antideistischen Streitschrift". Jedenfalls hatte der Zensor dasnicht empfunden, sonst hätte er wohl das ganze Manuskript nichtdurchgelassen. Diese Abhandlung „Zur Geschichte der Religion undPhilosophie in Deutschland", die außer Gedichten des „neuen Früh-•ings" den 2. Band des „Salon" bildete und unter dem Titel „De l'Alle-magne" gleichfalls zuerst französischen Lesern in der „Revue des deuxMondes" (1834) zu Gesicht kam, hat Heine später selbst verleugnet;der 2. Auflage schickte er die Erklärung voran, es wäre ihm lieb, wenner das Buch ganz ungedruckt lassen könnte, da sich seitdem seinereligiösen Überzeugungen geändert hätten.

Band 3 des „Salon" enthielt die „Florentinischen Nächte" und die„Elementargeister", war also wirklich ziemlich harmlosen Inhalts, aberer war ja schon vorher verboten und geriet überdies mitten in dasKesseltreiben gegen das „Junge Deutschland" hinein. „Kein ZensorW der ganzen Welt wird etwas dran auszusetzen haben", durfte Heineseinem Verleger vorab versichern. Er dachte sogar daran, das Buchunter fremdem Namen herauszugeben, und als Campe zögerte, ließ erdie „Florentinischen Nächte" Frühjahr 1836 im Stuttgarter „Morgen-blatt" erscheinen, dessen Beilage, Menzels „Literaturblatt", ein halbesJahr vorher zu der Hetze gegen das „Junge Deutschland" am heftigstenangetrieben hatte. Die „zweite Nacht" erschien hier allerdings „kläg-lich verstümmelt" (an Cotta 29. Januar 1837). Auch die Verbote undVerfügungen der Regierungen im Winter 1835/36 machten den Dichternicht „banghosig", hatte er doch am 28. Januar 1836 ein „kindlichsiruplich submisses" Schreiben an den Bundestag gerichtet, das übrigensnur durch die Presse bekannt wurde, sich als Aktenstück aber nichtgefunden hat; er erwartete allen Ernstes, daß sich der Bundestag mitihm auf Verhandlungen einlassen, seine Verteidigung anhören oderdie Ausnahmeverfügung zurücknehmen werde, woran dieser natürlichnicht dachte. Auch in den „Erörterungen" vom Mai 1836 hatte ersich mit den neuen Knebelungen des Buchverlags auseinandergesetzt,gerade dadurch stieß ihre Veröffentlichung in der „Allgemeinen Zei-tung" auf „Hindernisse". Keinesfalls aber wollte er sich etwa derpreußischen Zensur unterwerfen, und als Campe Miene machte, dasManuskript nach Berlin zu senden, forderte Heine es energisch zurück.Es findet sich übrigens in den preußischen Akten keine Notiz darüber,daß Campe seine Absicht wirklich ausführte; eine Zensur der Hand-schrift würde man in Berlin abgelehnt haben, wie man das bald daraufbei Heines Vorrede zum „Don Quichote" tat. Zu mehr als 20 Bogenreichte das Manuskript nicht, und Heine war „mit der Füllung desBuches in den allerschrecklichsten Nöten" — aus Angst vor der Zen-sur. Mitten in der Arbeit erkrankte er an Gelbsucht und Cholera.„Salon" III umfaßte schließlich nur 279 Seiten, konnte also ohne das