Druckschrift 
1 (1924)
Seite
402
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HEINE 402

furter Behörde am 21. August, hatte die Lettern als der BrönnerschenSchriftgießerei in Frankfurt entstammend erkannt. Beides weist aufSüdwestdeutschland hin, wo diese Flugschrift auch systematisch ver-breitet wurde. Wußte Heideloff davon? Vielleicht! Denn nicht ganzabzuweisen ist die Annahme, daß dieser zweite Druck eine billige, zuPropagandazwecken eigens zugerichtete Ausgabe des ersten sein sollteund ebenfalls in Paris hergestellt wurde, wo Deutsche genug zur Handwaren, um deutsche Arbeit vorzutäuschen. Auch die HeideloffscheAusgabe war, ihrem Druckbilde nach, tadellose Arbeit, trotz der Pa-riser Offizin. Diese zweite Annahme findet sogar eine Stütze in einemBrief der Pariser Druckerei an die preußischen Minister (eingegangenam 9. August 1834) : Prosper Dondey-Dupre entschuldigt sich höf-lichst, daß er „zwei Pamphlete" gegen Preußen für Heideloff & Campegedruckt habe; er selbst verstehe kein Deutsch.

Die Herkunft der beiden vorliegenden Drucke von Heines unge-kürzter Vorrede bedarf nunmehr kaum einer weiteren Klärung. Übrigaber bleibt noch die viel erörterte Frage: ob nicht Campe dennoch inHamburg einen eigenen, also dritten Druck veranstaltet hat? Campehat die Existenz eines solchen Hamburger Drucks vor Gericht stetsenergisch bestritten. Allerdings wurde er im Verhör nie gefragt:Haben Sie die unverstümmelte Vorrede überhaupt gedruckt? sondernimmer nur: ob er die „vorliegende Druckschrift" hergestellt habe, waser mit gutem Gewissen verneinen konnte. Dahinter könnte eine reser-vatio mentalis stecken, aber er erklärte weiter: „Wenn ich die Vor-rede hätte drucken lassen wollen, so würde ich sie meinem Buche vor-angestellt haben, wohin sie gehört, nicht aber nach Jahr und Tag indieser Gestalt." Das darf wohl schon als eine indirekte Verneinungeines Hamburger Sonderdrucks gelten. Acht Jahre später, am 12. Ja-nuar 1842, als Preußen den ganzen Verlag Campes verboten hatte, kamdieser auf die Sache zurück und versicherte in einer „RechtfertigendenErwiderung" kurz und klar, daß er von Heines Vorrede nur das ge-druckt habe, was die Zensur stehen gelassen. Für die Wahrheit dieserAussage spricht auch die Tatsache, daß sich ein dritter Druck bishernicht gefunden hat, sondern nur ein Korrekturabzug, dessen textlicheBedeutung noch unklar ist. Campe besaß ein Manuskript der Vorrede;nach anfänglichem Sträuben lieferte er es am 1. August 1834 der Ham-burger Behörde aus; es findet sich in deren Akten (gedruckt bei Gei-ger, „Das Junge Deutschland". 1907. S. 24ff.) und umfaßt die Seiten8—19, ist also jedenfalls der Teil des ersten Manuskripts, den der Alten-burger Zensor fast ganz gestrichen hatte; deshalb hatte sich Campediese Blätter zurückgeben lassen. Das scheint durch Heines Brief anCampe vom 28. Dezember 1832 erwiesen; Heine zitiert hier einen Satzdes verstümmelten Manuskripts über Raumer: „Er ist von allenschlechten Schriftstellern noch der beste." In dieser Form findet sich