Druckschrift 
1 (1924)
Seite
401
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401 , HEINE

gänzte er die Aussagen Gaugers: Zur Ostermesse 1833 habe ihm seinNeffe, der Associe von Heideloff, in Leipzig mitgeteilt, daß Heine demPariser Hause die ungekürzte Vorrede angeboten, er habe von demDruck abgeraten, einmal weil sie sein verlegerisches Eigentum sei, daer sie dem Dichter bezahlte, dann aber auch, weil ihm die Verbreitungeines Sonderdrucks mit den vom Zensor gestrichenen Stellen Weit-läufigkeiten und Scherereien zuziehen müsse; später habe ihm dannsein Neffe mitgeteilt, Heideloff habe die Vorrede doch gedruckt, erwolle ihm aber die ganze Auflage gegen Erstattung der Herstellungs-kosten überlassen; das habe er, Campe, abgelehnt, mit dem Zusatz:Was Heideloff und Campe sich eingebrockt, möchten sie auch ausessen.Dieser Differenz wegen habe man ihm auch kein Exemplar geschickt,während andere Hamburger Buchhändler von Paris direkt mit Exem-plaren versorgt wurden. — Nun wurde ihm das aus Frankfurt ein-gegangene Exemplar des anonymen Druckes zur Begutachtung vor-gelegt (nicht der Heideloffschen Ausgabe, denn auf sie passen seineAussagen in keinem Punkte, und ihre Herkunft war ja durchaus ge-klärt: sie war in Paris gedruckt, und den Verleger Heideloff hattedafür schon sein Schicksal ereilt: am 21. Juni hatte Preußen jede Ge-schäftsverbindung mit ihm verboten, und der Bundestag hatte am10. Juli die übrigen Regierungen zu der gleichen Maßregel aufgefor-dert; die in Hamburg darüber geführten Akten unterscheiden hiernicht ausdrücklich). Campes Diagnose war: Offenbar schwäbischeArbeit, Heines Stil sei das nicht, das Manuskript der Vorrede, das ernoch besitze, laute ganz anders. Da der Heideloffsche, unzweifelhaftvon Heine stammende Text und der des anonymen Nachdrucks völligübereinstimmen, irrte sich Campe durchaus bei der Beurteilung desHeineschen Stils, und ebenso irrte sich der Praktiker Campe, wenn ermeinte, der echte Wortlaut sei viel umfangreicher; der kleine Drucktäuschte ihn. (Die Heideloffsche Separatausgabe, die in Druck undFormat den Hamburger Ausgaben der Heineschen Schriften nahe-kommt, zählt ohne die Vorrede Gaugers 50 Seiten, die vom Zensorverstümmelte Vorrede zu den ,,Französischen Zuständen", wie Hoff-mann und Campe sie herausgegeben hatte, 26 — also ziemlich zu-treffend das Umfangsverhältnis, wie Campe es angab: der Zensor habemehr als die Hälfte gestrichen). An dieses Gutachten schloß sich nundie Frage, die durch Gaugers Zeugnis formuliert war: Ob Campe diese„ihm gegenwärtig vorliegende Druckschrift" in 3000 Auflage habeherstellen lassen? Das verneinte er mit allem Nachdruck und setztefür den Gegenbeweis „seinen Kopf zum Pfände". An dieser Aussageist nicht zu zweifeln, auch den Untersuchungsbehörden in Hamburg,Frankfurt und Berlin genügte sie.

Woher stammt nun dieser anonyme Druck? Campe bezeichnet ihnals schwäbische Arbeit, ein Hamburger Drucker, meldet die Frank-

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