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thcater erschienen, zu einer Zeit also, wo in der von der kaiserlichen Armeeam 31. Oktober unter Windisch-Grätz eroberten Hauptstadt das Stand-recht herrschte. Holbein hätte die Zulassung dieses Stückes seitensder Militärzensur nicht erreicht, wenn er nicht den genialen Einfallgehabt hätte, dem Gouverneur Graf Weiden allen Ernstes zu ver-sichern, „der Holofernes sei zu Ehren des Fürsten Windisch-Grätzgedichtet und die Belagerung Bethulias bedeute die Belagerung Wiens".Die Anekdote sei „buchstäblich" wahr, versicherte Hebbel seinemVerleger Campe. Der Winter 1848/49 hatte sogar die erste Aufführungdes Lustspiels „Der Diamant" gebracht, und zwar in der mährischenStadt Kremsier, wo> nach Einnahme Wiens der österreichische Reichs-tag vom 15. November 1848 bis zum 7. März 1849 tagte. Ebenfalls1849 kam Hebbels Lustspiel „Der Rubin" am 21. November auf demWiener Burgtheater zur Darstellung, und in Prag durfte man am13. Mai seine „Genoveva" in tschechischer Übersetzung spielen. DasJahr 1849 bedeutete daher den Höhepunkt der Uraufführungen, Hebbel-scher Stücke zu Lebzeiten des Dichters.
Die Herrlichkeit dauerte aber nicht lange. Das Schicksal der Hebbel-schen ,Julia" kennzeichnet diese neue Wendung am besten. „Julia"war schon 1848 im ersten Übermut der neuen Zensurfreiheit vom Burg-iheaterdirektor Holbein angenommen worden. Der Dichter konnteein vorher für die Zensur zurechtgemachtes „niederträchtiges" Manu-skript des Stückes jetzt vernichten. Die Aufführung wurde aber hin-ausgeschoben, um seinen älteren Werken den Vortritt zu lassen, undkam schließlich gar nicht zustande. Ende 1849 schied Holbein ausseinem Amte, und sein Nachfolger wurde Heinrich Laube. Seit dem9. Mai war auch ein neuer Oberstkämmerer, ein polnischer Magnat,Graf Lanckoronski, an die Spitze des Hoftheaters getreten, und dadieser in den „ästhetischen und moralischen Wert" des Werkes Zweifelsetzte, wurde die Zusage der früheren Leitung nicht eingehalten. Da derneue Direktor Laube außerdem gegen Hebbels Stücke einen instinktivenWiderwillen hatte, fühlte er keinen Beruf, sein junges Ansehen durchbedingungsloses Eintreten für das auch ihm unsympathische Stückaufs Spiel zu setzen. — In Berlin ging es Hebbel fast ebenso. Gleichnach Vollendung der „Julia" hatte Hebbel sie Rötscher in Berlin mit-geteilt und dieser sie dem Intendanten von Küstner eingereicht. „Nacheinigem Zögern und einem auf einem merkwürdigen Umweg unter-nommenen, übrigens wohlgemeinten Durchbringungsversuch" hattedieser zuletzt doch das neue Drama Hebbels „aus Scheu vor Anstoß"abgelehnt. Dann kam die Revolution, und als plötzlich das Burgtheaterdie „Julia" annahm, bat auch Küstner den Dichter um das Stück, daer „jetzt freieren Richtungen folgen könne". Die Rollen wurden aus-geschrieben und verteilt, aber dann verlautete nichts mehr davon. Nachanderthalb Jahren mahnte Hebbel an die Einlösung des gegebenen