HEBBEL
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des ehemaligen Burgtheaterdirektors und jetzigen Buchzensors Dein-hardstein, sein Werk dem damaligen Direktor Holbein einzureichen.Unmittelbar darauf besuchte er auch den Schauspieler Heinrich An-schütz, für den die Rolle des Meisters Anton wie geschaffen war. An-schütz selbst hat die mit Hebbel damals geführte Unterhaltung, diesich natürlich hauptsächlich um die Zensurfrage drehte, aufgezeichnet.
„In hohem Grade eingenommen von dem geistig überlegenen Wesenmeines Gastes," erzählt Anschütz, „versicherte ich ihm, daß es beieinem so bedeutenden schauspielerischen Vorwurfe keiner Anempfeh-lung bedürfe, daß vielmehr der Schauspieler dem Dichter für die pracht-volle Aufgabe verpflichtet sei.
„Ich fürchte nur, verehrter Herr Doktor," bemerkte ich, „daß ichmich zu früh auf den Besitz dieser Rolle freue."
„Wie meinen Sie das, Herr Anschütz?"
„Ich glaube nicht, daß Ihr Trauerspiel von der Zensur zugelassenwird."
„Warum nicht? man gibt ja .Kabale und Liebe'."
„Das wohl, aber für's Erste genießt ,Kabale und Liebe', als ein altesSchiller'sches Stück, das nicht mehr gefährlich ist, das Bürgerrecht,und zweitens ist der Grundton Ihres Dramas ein weit herberer, dieConflicte sind unversöhnlicher Natur, die Charaktere rauh bis zurWildheit, und ich zweifle sehr, daß die Zensur für die Handwerker-Philosophie des Tischlers Anton, für den Buben Carl, für das Ver-hältniß zwischen Clara, Leonhard und dem Secretär das admittitur[Ist zugelassen!] erteilt."
„Wenn sie es wagen, das Stück nicht zu geben, so mögen sie auchdie Verantwortung vor der Öffentlichkeit übernehmen."
„Bester Doctor," erwiderte ich, „unsere Censur ist in diesem Punktesehr verwegen. Wenn sie nein sagen will, so malt sie ihr ,non admittitur'so groß, dick und und schwarz hin, daß man es auf zehn Schritte lesenkann."
„Ich werde den kürzesten Weg gehen und mich gleich an den HerrnOberstkämmerer wenden."
„Ich wünschte ihm den besten Erfolg von seinem Gange, hoffte aberbei dem entschiedenen Wesen Hebbel's nur wenig von dieser entre-vue.Hebbel mochte beim Grafen Dietrichstein ähnliche Äußerungen gethanhaben, denn wie mir erzählt wurde, soll dieser sonst so zugänglicheTheaterfreund, ganz erschreckt und entrüstet von Hebbel's catego-rischem Auftreten, seinem Kanzleipersonal aufgetragen haben, den,rothen' Dichter nicht mehr vorzulassen."
i,Und die Censur verbot .Maria Magalena' wirklich."
Nebenbei ergab sich bei dieser Audienz Hebbels, daß Graf Diet-richstein noch nicht einmal den Namen des Dichters kannte. Das ge-hörte zum guten Ton dieser Kavalierdirektionen. Vor nicht langer