HAUPTMANN 358
besuch ausgeschlossene Bevölkerung sich zu Ausschreitungen hin-reißen lassen könne, sei ebenfalls zu entfernt.
Die Breslauer Erstaufführung fand daraufhin am I. Oktober 1894statt und hatte stürmischen Erfolg, ohne daß sich eine der Befürch-tungen der Polizei bestätigte. Sozialistische Blätter meldeten, den Offi-zieren sei auch in Breslau der Besuch der ,,Weber" verboten worden,ebenso den Mannschaften die weitere Statistentätigkeit im Lobetheater(„Vorwärts'' vom 4. Oktober) ; das wurde vom Breslauer Komman-danten in der Form widerrufen: die Nachricht, „den Offizieren wäreder Besuch der Premiere der ,Weber' verboten worden, sei Erfindung"(„Berliner Lokal-Anzeiger", 5. Oktober). Auf Befehl der Polizei muß-ten die Preise der Plätze auf dem dritten Rang von 30 und 50 Pfennigauf 1 Mark und 1,25 Mark erhöht werden. „Bliebe auch keine ein-zige andere Kennzeichnung der heutigen Situation späteren freien Ge-schlechtern erhalten," bemerkte dazu der „Vorwärts", „diese eine Tat-sache genügte, um ihnen die ganze grimmige Komik unserer Tage vorAugen zu führen."
6. Weitere Verbote außerhalb Berlins. Der Kampfum die „Weber" gestaltete sich mehr und mehr zu einem Kampf zwi-schen den Polizei- und Verwaltungsbehörden einerseits und dem Ober-verwaltungsgericht andererseits. Die ersteren hielten konsequent daranfest, das Urteil der Oberinstanz zu verleugnen, und wurden darin be-stärkt durch die Losung, die seitens des Ministeriums in Geheim-zirkularen (vgl. das obige Rundschreiben des Landrats in Nimptsch)und schließlich in der Sitzung des Preußischen Abgeordnetenhausesvom 21. Februar 1895 ausgegeben war. Dem Verbot in Breslau folgteam 25. Oktober 1894 das in Hirschberg, wo dem Direktor Sonnenthaldie Aufführung der „Weber" untersagt wurde, wegen der „tenden-ziösen, der Aufreizung zum Klassenhaß Vorschub leistenden Darstel-lung" des Aufstandes von 1844 und weil das „sogenannte schlesischeWeberlicd" darin vorkomme („Berliner Zeitung", 28. Oktober). EineBeschwerde beim Regierungspräsidenten in Licgnitz War erfolglos. —In Görlitz befürchtete die Polizei „Streit und Unfrieden in der Bürger-schaft" („Berliner Tageblatt", 5. Oktober 1895). Auch unter demneuen Ministerium des Innern (von der Recke) ergingen in Gleiwitzund Beuthen Verbote gegen die Aufführung der „Weber" durch einewandernde Schauspielergesellschaft (Direktion Waldemar) ; der Regie-rungspräsident Dr. v. Bitter in Oppeln befolgte die Aufforderung desHerrn v. Koller („Berliner Börsen-Zeitung", 28. Februar 1896). —Dasselbe tat die Polizei in Halle am 13. Februar 1895, unmittelbarunter dem Eindruck der Ministerrede; sie verbot sogar die Vorlesung,sowohl in einer öffentlichen sozialdemokratischen Versammlung wiein einer Sitzung des Metallarbeitervereins („Vorwärts" vom 18. und30. August 1895). Beschwerden der Direktion des Nationaltheaters