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1 (1924)
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HAUPTMANN 352

zu berichten, das bereits im Begriffe war, seine Ansicht von der Auf-führbarkeit der „Weber" — wohl infolge eines Verlags- und Redak-tionswechsels — zu revidieren.

Alle diese Aufführungen waren Vereinsveranstaltungen, denen keinPolizeiverbot etwas anhaben konnte, da die Besonnenheit der Zu-schauer nur das Recht des Theaterbesuchers im weitesten Maße aus-nutzte. Die Sensation erreichte erst ihren Höhepunkt, als das „Deut-sche Theater" von der ihm nunmehr erteilten Erlaubnis Gebrauchmachte. Die erste öffentliche Vorstellung zog sich aber noch fast einJahr hin, vermutlich infolge des mittlerweile geschehenen Direktions-wcchsels : Otto Brahm übernahm die Bühne L'Arronges, und der neueHerr erzielte seinen ersten „großen Abend" am 25. September 1894durch die Aufführung der „Weber". Das der Zensur nochmals ein-gereichte und nunmehr genehmigte Soufflierbuch wies eine „nicht un-bedeutende Zahl von Streichungen und einige unwesentliche Abände-rungen" auf. Die Besetzung vereinigte die besten Kräfte, die das„Deutsche Theater" zur Verfügung hatte: Rittner (Moritz Jäger),Pauli (alter Baumert), Rosa Bertens (Luise), Hermann Müller (An-sorge), Pittschau (Schlosser), Nissen (Fabrikant), Kraußneck (Hilse)und Kainz (Bäcker). Die Regie führte wieder Hachmann unter per-sönlicher Leitung des Dichters. Das Foyer wimmelte von „Köpfen" :Spielhagen und Fontane, Liebknecht und Singer. Der literarische Er-folg, der in der Literaturgeschichte ein Markstein bleibt, trat erst beiden Wiederholungen siegreich hervor; denn diese blieben (nach demZeugnis der hierin gewiß vorurteilsfreien „Germania" vom 2. Oktober)frei von dem Tumult, der am ersten Abend eine unbefangene Wür-digung der Dichtung in einem wahren Orkan von Beifall, lärmendenZwischenrufen, Klatschen und Getrampel erstickte. Das Publikum wardas übliche bei den Premieren des „Deutschen Theaters", vorwiegend„aus dem Tiergartenviertel, der Gegend des Hausvogteiplatzes und derSpandauer Straße" („Berliner Politische Nachrichten"), auf die oberenRänge aber hatte die Sozialdemokratie, was auch der „Vorwärts"(27. September) zugab, ein Häuflein handfester Genossen delegiert;ihre — übrigens von der Polizei selbst nicht empfundene — Demon-stration gegen das Verbot, zugleich gegen die Motivierung des Frei-spruchs, gab dem ersten Abend eine Signatur, die von besonnenenFreunden und Gegnern Hauptmanns ebenso wie vom Dichter selbstaufs tiefste bedauert wurde. Und genau so wild entbrannte nun aufsneue der Kampf in der Presse. Während der „Vorwärts" (26. Sep-tember) jetzt plötzlich dem Dichter recht gab, wenn er sein Werkweder sozialistisch noch revolutionär genannt wissen wollte, und in der„Kreuzzeitung" O. Elster ihm nur eine „vielleicht unbewußte Aus-nutzung der politischen Leidenschaft" zur Last legte, konnten sichandere Blätter in der Verurteilung der „sozialistischen Tendenz ver-