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1 (1924)
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351 HAUPTMANN

wähnte Programm der Mai-Vorstellung der „Freien Volksbühne", derWille 1891 noch angehörte, mit dem Abdruck des Weberliedes. DieAufnahme des Stückes durch das Publikum der „Neuen Freien Volks-bühne" entsprach, so gab die Pofizeiverwaltung zu, der Schilderungdes „Kleinen Journals" vom 16. Oktober. Die ersten beiden Aktegingen ohne stärkeren Eindruck vorüber; erst der dritte riß zu lautemBeifall hin; während des vierten aber „gärte es im Publikum fastmehr als auf der Bühne. Die Leute konnten ihren Unwillen, ihredurch den Dichter aufgewiegelte Teilnahme nicht mehr zurückbäumen.Ein Sturm drohte loszubrechen, der nur mit Mühe niedergehaltenwurde durch einen Teil besonders eifriger Theatergäste, die mitstockendem Atem die Entwicklung des Vorgangs verfolgten . . . mittenin den Akt hinein erbrauste ein jubelnder Lärm, der das Spiel aufMinuten unterbrach und wie ein Schrei der Entrüstung über dasmenschliche Elend das Haus durchtoste. Am Ende des vierten Akteswurde Hauptmann mehrmals gerufen . . . Der fünfte Akt . . . wurdezweifellos nur deshalb beifällig aufgenommen, weil eben die Gewaltdes vierten noch nachwirkte." Zu weiteren Demonstrationen führtedie Darstellung nicht, auch nicht ihre Wiederholungen am 22. und29. Oktober und am 4. November. Das seit dem 2. Oktober schon be-kannt gewordene Urteil des Oberverwaltungsgerichts hatte die Spitzeeines Demonstrationserfolges wohl etwas abgestumpft. Auch galtendie Mitglieder dieses Bühnenvereins als „die gemäßigteren Elementedes Volksbühnen-Publikums".

Bedeutend tiefer ging die stoffliche Wirkung des Stücks, wie eben-falls das „Kleine Journal" berichtete (4. Dezember 1893), als die „FreieVolksbühne" unter Franz Mehrings Leitung vom 3. Dezember ansieben Vorstellungen der „Weber" im Nationaltheater veranstaltete.(Pauli: Baumert, Löwenfeld: Ansorge, Gustav Kadelburg: Jäger.)Schon die ersten Akte zeigten, daß der „künstlerische Genuß weit zu-rückgedrängt wurde von dem Interesse an dem historischen Ereignis.Höhnisches Lachen begleitete die naive Demut der verhungertenWeber . . . Bei den hochmütigen Reden des Fabrikanten und desGendarms lag eine Spannung auf den Gesichtern der Zuschauer, daßman jeden Augenblick einen Ausbruch der Wut erwarten konnte . . .Als nun aber der Vortrag des revolutionären Weberliedes die erstedramatische Bewegung brachte, da gab es kein Halten mehr . . . DieWut der auf der Bühne zur Empörung schreitenden Weber fand einvollklingendes Echo in dem Zorn der aufgestachelten Zuschauer. Dasnervöse Zischen, das anfänglich jede Beifallsäußerung zu unterdrückensuchte, nur damit kein Wort von dem Evangelium der auf der Bühneagierenden Kapitalsstürmer verloren gehe, verlor sich bald unter demtobenden Beifall, den der arbeiterfreundliche Ausgang des Aufruhrs— auf der Bühne fand." Mehr wußte auch das „Kleine Journal" nicht