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1 (1924)
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323 GUTZKOW

kaiserlichen Regierung nicht wohl anstehen, in jedem einzelnen Falleeinem ausländischen dramatischen Dichter gegenüber über das, wasnach den Regierungsgrundsätzen und Zensurvorschriften Österreichsauf einer Hofbühne zulässig sei, sich in eine Diskussion einzulassenoder zum Teil selbst Abänderungen an die Hand zu geben, welches beidem unter den jüngeren Dramatikern des Auslandes vorherrschendenGeiste überdies noch zu hämischen, der Würde der Regierung abträg-lichen Bemerkungen Anlaß geben könnte!' - In Wien gelangte das„Urbild" infolgedessen erst nach der Revolution des Jahres 1848 aufsBurgtheater. — Dieser Sieg Gutzkows über die Zensur fast auf derganzen Linie war um so bemerkenswerter, als das „Urbild des Tartüffe"gerade eine Satire auf die Zensur und aus den damaligen Kämpfen umdie Preßfreiheit erwachsen war! „Rücksichtslos gingen die polizei-lichen Maßnahmen über die Lebensinteressen der Autoren hinweg",sagte Gutzkow in dem spätem Vorwort zu diesem Lustspiel. „Einekalte, mumienhaft vertrocknete Praxis der Censurbehörden kümmertesich um keine Bitte, keine Versicherung, die Harmlosigkeit der ihnenvorgelegten Erfindungen betreffend; in Preußen herrschte eine Coteriehöherer Polizei- und Regierungsbeamten, deren oberster ChefTzschoppe mit fixen, man könnte sagen, Alba-Ideen und schon alsIrrer umging, während er noch den Staatsrat besuchte." Es war inder Tat das vereinzelte Symptom einer „neuen, freien Zeit", daß einsolches Stück wie das „Urbild" in Berlin erscheinen durfte und zahl-reiche Wiederholungen erlebte, bis 1875 nicht weniger als 52.

Eine Satire auf deutsche Verhältnisse sollte auch eine der nächstendramatischen Arbeiten Gutzkows sein, ein historisches Lustspiel „Ano-nym". Es spielte in London, die englische Maske war durch die Rück-sicht auf die Zensur geboten. Da aber ein englischer Prinz in demStück eine preußische Prinzessin geheiratet hatte, erregte selbst dasenglische Milieu in Berlin Bedenken; „höhere Kreise" nahmen daranAnstoß, und Gutzkow mußte sich verpflichten, seinen Herzog vonRutland in einen Herzog von Norwig und den Herzog von Gloster ineinen Lord Brummel zu verwandeln. Die Initiative des Königs sollzwar diese Hindernisse, die ihm der Intendant v. Küstner darlegte,beseitigt haben, aber Gutzkow zog das Stück, abgeschreckt durch Miß-erfolge in Dresden und Frankfurt, zurück. Bald darauf spielte er einenbessern Trumpf aus, seinen „Uriel Acosta".

Der Erfolg des „Uriel Acosta" steht ziemlich einzig da in derTheatergeschichte des 19. Jahrhunderts. Aber auch er wurde ge-schmälert und die Freude daran dem Dichter vergällt durch die Zensur-schwierigkeiten, die auch diesem Werk allenthalben in den Weg traten.In Dresden hatte Emil Devrient die Bedenken des Intendantenv. Lüttichau gegen das religiöse Problem und das jüdische Milieuglücklich überwunden; am 13. Dezember 1846 ging „Uriel Acosta"