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1 (1924)
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GUTZKOW 324

mit sensationeller Wirkung über die dortige Hofbühne. Für Gutzkowwar dieser unbestrittene Sieg von doppeltem Wert, denn seit dem19. November war er zum Dramaturgen des Dresdner Theaters er-nannt worden, er hätte daher seinen neuen Posten unter keinen glück-licheren Vorbedingungen antreten können. Aber schon am Abend derPremiere gab die dem Dichter gewogene Gattin des Intendanten ihmeinen Wink, daß der stürmische Beifall bei Hofe als eine Demonstrationim Sinne der „Tendenz" des Dramas empfunden worden sei, eine „hoheFrau", wahrscheinlich die Prinzessin Amalie, selbst eine erfolgreichedramatische Dichterin, hatte während der Vorstellung mehrmals un-willig den Fauteuil gerückt, und prompt fand sich am nächsten Tagauf der Intendanz eine Kabinettsorder ein, in der König FriedrichAugust drohte, dem Theater künftig einen Zensor zu setzen, wennStücke so aufregender Art wie die „Karlsschüler" von Laube und jetztdieser „Uriel Acosta" gegeben würden, und die Wiederholung desletzteren untersagte.

Gutzkow beantwortete das Verbot mit einem Gesuch um Entlassung,noch che er seine Dramaturgenstelle offiziell angetreten hatte. „BeiBeginn meiner Thätigkeit so von oben her begrüßt," erklärte er mitRecht, „würde ich beim Personal kein Vertrauen finden." Dieses un-erwartet entschiedene Auftreten imponierte oben. Man schien einzu-sehen, daß man sich denn doch etwas übereilt hatte, und der literatur-freundliche Prinz Johann erhielt den Auftrag, den königlichen Lapsuswieder gutzumachen; er sollte als Zensor das Stück durchsehen, alleanstößigen Stellen beseitigen und es dann wieder freigeben. Der prinz-liche Zensor waltete auch seines Amtes, beanstandete eine Reihe vonStellen, in denen die Worte Priester, Glaube und Kirche vorkamen,Gutzkow nahm auf dem Hausministerium das Zensurexemplar in Emp-fang, mußte sich bequemen, die angestrichenen Stellen dem hohenWunsch entsprechend zu mildern, und reichte am 22. Dezember diemit vierzig Änderungen versehene „editio castigata" seines Werkesdem Hausministerium wieder ein. Die dicken Bleistiftbalken, die vorachtundsiebzig Jahren jene gefährlichen Worte unlesbar machen soll-ten, sind im Soufflierbuch des Dresdener Hoftheaters noch heute er-kennbar als charakteristische Rudimente einer noch keineswegs ganzerstorbenen Vergangenheit. Das Wort „Priester" ist überall da ge-strichen, wo es durch den Rhythmus des Verses besonders ins Ohrfällt. „Was sagst du, Simon — Priester an der Pforte?" fragt Manassezu Anfang der 6. Szene des 2. Aufzugs. Hier hieß es jetzt: „Rabbinenan der Pforte?" In der großen Überredungsszene zwischen Silva undUriel ruft dieser: „Mir selber bin ich irrend, Priestern nicht!" DenSinn des Verses zerstört völlig die hier angebrachte Änderung: „andernnicht". Der wuchtige Schlußsatz des Monologs im 3. Akt: „DenPriestern aber widerruf ich nicht" ist verändert in „Und diesen Irr-