GUTZKOW 318
niemals dürfe die Majestät „zur Farce herabgewürdigt" werden, wiees hier in der Schilderung des Tabakkollegiums und in früherenSzenen geschehe! Tieck war gewiß ein „ehrenwerter Mann", aberdieses Urteil verrät gar zu offen seine persönliche Gereiztheit gegendie junge Literatur, die auch seinem poetischen Königsmantel allerleiam Zeuge geflickt hatte. Das „vielleicht ohne Absicht des Verfassers"ist eine wohlüberlegte, technisch ganz niedliche Bosheit.
Damit hatte der König ein beachtenswertes literarisches Urteil fürsich, das seiner persönlichen Abneigung recht gab, und am 26. De-zember 1843, fünf Tage vor der Premiere in Dresden, bekam der In-tendant v. Küstner in Form einer Kabinettsorder den wortkargen Be-scheid, die Aufführung könne nicht genehmigt werden.
Diese Ablehnung seitens der Berliner Hofbühne war nun für dieübrigen deutschen Bühnen zunächst nicht maßgebend, auch nicht fürdie preußischen, und sie kehrten sich daran nicht, griffen vielmehrfreudig nach einem Werk, das in wenigen Monaten einen Siegeszugüber zahlreiche deutsche Bühnen hielt. Auch preußische, wie Magde-burg und Erfurt, waren darunter, und Gutzkow, dem Küstner die strikteWeisung des Königs jedenfalls verheimlicht haben dürfte, damit sienicht in die Presse kam, hoffte daher immer noch auf eine Sinnes-änderung des Berliner Intendanten, dem er, in Unkenntnis des Sach-verhalts, die Ablehnung zuschrieb. Als er im März 1844 in Berlinweilte, „schnitt" er ihn ostentativ, besuchte ihn nicht, worüber wiederKüstner tief gekränkt war. In einer anonymen Berliner Korrespon-denz für die Leipziger „Deutsche Allgemeine Zeitung" (31. März,Nr. 91) versuchte er einen Druck auf die Intendanz auszuüben. „Gutz-kows ,Zopf und Schwert'", so schrieb er selbst, „hat im übrigenDeutschland die gemütlichsten Sympathien für Preußen, seine Ge-schichte, für die nationale Bedeutung seines Königshauses geweckt:in Gegenden, wo noch immer gegen den Norden Deutschlands einegewisse Spannung herrschte, hat dieses Drama dem geistigen An-schluß aller Bundesglieder zu einem deutschen Ganzen in die Händegearbeitet, und für dieses Verdienst, das sich ein deutscher Schrift-steller erworben, stellt man seiner ersten populairen und nationalenDichtung Hindernisse in den Weg? In Köln hat sich z. B. der Censorfür incompetent erklärt und erst über die Möglichkeit, dieses vater-ländische Werk aufführen zu lassen, hierher berichtet, sodaß der Di-rektor Spielberger sich in der Freiheit beeinträchtigt sieht, welcheman doch in Magdeburg, Frankfurt a. d. O., Münster und Erfurt, woüberall ,Zopf und Schwert' volle Häuser macht, den Direktoren ge-stattete. Ein letzter Nachteil ist sodann der Umstand, daß einige Höfe,wie Wien und München, glauben, dem preußischen Hofe könne dieAufführung dieses Stückes unwillkommen sein, während Dresden,Weimar und selbst das mit Preußen verwandte Schwerin bald heraus-