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1 (1924)
Seite
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317 GUTZKOW

würde, hatte Gutzkow vorausgesehen und deshalb am 16. Oktober 1843das eben im Manuskriptdruck fertig gewordene Stück dem Könige per-sönlich vorgelegt, zugleich mit seinem Dank für die ihm nur durchZufall gewährte Befreiung von den bisherigen Zensurmaßregeln gegenseine Schriften. Über das Lustspiel sagte er in diesem Brief anFriedrich Wilhelm IV.:

„Wie hingebend mein Herz der Heimath schlägt, wo ich mit allenLebensströmen ihr angehören darf, wag' ich sogleich Ew. Majestät ander unterthänigst beigefügten Anlage zu zeigen. Dies neue, auf meh-reren Bühnen schon zur Darstellung vorbereitete Drama von mir darf,obgleich hundert Jahre seit dem Sujet verstrichen sind, schwerlich dar-auf rechnen, an der Königl. Hofbühne in Berlin gegeben zu werden,aber selbst bei flüchtiger Durchblätterung kann Ew. Majestät nichtentgehen, daß trotz der komischen u. zuweilen burlesken äußern Ab-sicht dieses Theaterstückes dem Ganzen doch eine warme, aufrichtige,vaterländisch-preußische Tendenz zum Grunde liegt, eine Tendenz, diehier nicht aus einem allgemeinen künstlerischen oder historischenInteresse allein, sondern in weit größerm Maaße aus dem Gemüth undder Anhänglichkeit an meine ersten Jugendeindrücke geflossen ist.

„Wollen Ew. Majestät diese unbedeutende Zusendung als einen Be-weis meiner tiefsten Verehrung vor einem seltnen, hochgebildetenKennergeiste entgegennehmen und es einen Augenblick erwägen, obsich vielleicht doch eine solche zwar grelle, aber treugemeinte Er-innerung an alte Zeiten in Berlin selbst vergegenwärtigen ließe, sowürde sich dadurch in seiner oft dornenvollen Laufbahn und in seinereinsamen Lebensstellung tiefbeglückt finden

Ew. Majestät allerunterthänigster Karl Gutzkow."

Der König ließ sich das neue Werk Gutzkows, dem er ebensowenigwie sein Vater hold gesinnt war, in Sanssouci vorlesen und soll dabeisehr gelacht haben. Als aber nun auch der Intendant v. Küstner umdie Genehmigung der Aufführung bat, machte er die Entscheidungvon dem Urteil Ludwig Ticcks abhängig, des jetzigen preußischenGeheimen Hofrats, der Ruine aus alter romantischer Zeit, die der neueHerr nach seiner Thronbesteigung als blendende Theaterkulisse nachBerlin verpflanzt hatte. Und Tieck erklärte, wie kaum anders zu er-warten war, die Aufführung von „Zopf und Schwert" auf der BerlinerHofbühne für unmöglich; abgesehen von der „Entstellung der wirk-lichen, so naheliegenden Geschichte" sei die Person des KönigsFriedrich Wilhelm I. darin „zu unwürdig und kleinlich" behandelt;königliche Würde, selbst Anstand, fehlten ganz; das Stück sei, „viel-leicht ohne Absicht des Verfassers", nichts anderes als „ein Lächer-lich-Machen des ganzen Hofes"! Von Shakespeare könne jeder Autorlernen, wie Könige in theatralischer Darstellung zu behandeln seien: