GUTZKOW 314
Emil Devrient den Widerstand des Intendanten v. Lüttichau, der den„Richard Savage" am 29. März 1839 kurzerhand zurückgeschickthatte, zweifellos auch nur aus sittlichen Bedenken, zu überwinden;die dortige Premiere erfolgte am 1. Januar 1840.
Gutzkow war also nun Autor des Königlichen Hoftheaters in Berlin,derweil er noch immer auf der Proskriptionsliste der dortigen Zensurstand; die Berliner Kritik durfte seine Stücke sogar loben, währendsie die Mehrzahl seiner Bücher mit Stillschweigen zu übergehen hatte.Vom Mai 1840 bis Juni 1841 wurden sogar nicht weniger als dreiStücke von ihm im Berliner Schauspielhaus aufgeführt; dem „RichardSavage" folgte am 19. Juni 1841 das historische Trauerspiel „Patkul"und am 13. September das bürgerliche Schauspiel „Werner", das sichseit der erfolgreichen Hamburger Premiere am 22. Februar 1840 alseines der meistgespielten Dramen Gutzkows erwies. In Wien, wo esam 14. Oktober 1840 den neuen Dramatiker bestens einführte, hattedie Zensur eine charakteristische Änderung verlangt: im Schlußaktlegt ein geadelter Bürgerlicher seinen Adel wieder ab, und seine Frau,eine geborene v. Jordan, soll einfach Frau Professor Werner heißen.Das war auf dem damaligen Hofburgtheater unmöglich, zum mindestenverlangte man, daß Professor Werner, „schon aus Rücksicht auf seineGemahlin", erklärte, seinen Kindern die Führung des Adels als Erbeseines Schwiegervaters gestatten zu wollen. In Berlin mußte nur, mitRücksicht auf die noch bestehende Familie v. Jordan, der Name alsJordön gesprochen werden; v. Jordan hieß unter anderem der preu-ßische Gesandte in Dresden, der in Zensurkonflikten mit dem LeipzigerBuchhandel oft in Anspruch genommen wurde. — Für „Patkul" sollsich, nach einer brieflichen Angabe Gutzkows (an Holbein, 8. Mai1841) Friedrich Wilhelm IV. besonders interessiert haben. Aus denAkten des Schauspielhauses ergab sich nur, daß Gutzkow das Manu-skript am 10. Februar nach Berlin schickte — die Uraufführung inHamburg am 21. Januar 1841 hatte bestrittenen Erfolg —, und daßder Intendant v. Redern am 30. März antwortete, das Stück habe „aus-nehmend gefallen", er werde es daher „mit Vergnügen und Dank"alsbald zur Darstellung bringen. Auffallend war allerdings, daß er„Patkul" vor „Werner" herausbrachte, dem Einspruch des sächsischenGesandten zum Trotz, denn die Erinnerung an das tragische Ende deslivländischen Nationalhelden, der von dem treulosen sächsischen Kur-fürsten Friedrich August II. seinen Todfeinden, den Schweden, aus-geliefert und grausam hingerichtet wurde, war dem sächsischen Hofesehr unbehaglich. Der Berliner Intendant mußte seines Rückhaltsbeim König gewiß sein, wenn er die Aufführung wagte, um so mehr,als das Stück, wie Gutzkow selbst fühlte, „freisinniger geraten" war,als er hoffte und wollte. Für Dresden war es, trotz der BemühungenEmil Devrients, natürlich ganz unmöglich, ebenso in Wien, und der