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als jenen Erlaß Friedrich Wilhelms IV. entweder höfischer Ohren-bläserei oder seiner zunehmenden Geisteskrankheit zuzuschreiben.
Von Gutzkows späteren Werken hat nur sein zweiter zeitgeschicht-licher Roman „Der Zauberer in Rom" ein Verbot erlebt, und zwar inÖsterreich. Gutzkow schilderte in dieser grandiosen Dichtung dieultramontane Fata morgana in allen ihren Farbenschattierungen, so freivon einseitig protestantischem Gesichtspunkt, daß man ihn sogar katho-lischer Neigungen verdächtigte. Er wollte dem poetischen Elementim Katholizismus volle Gerechtigkeit widerfahren lassen und vermieddaher die „gewöhnliche ordinäre" Art, das Priestertum und nament-lich den Zölibat zu verfolgen. Er umgab die Helden des Romans, denPriester Bonaventura, sogar mit allen Glorien der Sittlichkeit und desEdelsinns und malte andere Priestergestalten, vor allem den altenDechant, mit den lieblichsten Farben. Er wollte, wie er einmal anFranz Dingelstedt schrieb (2. August 1861), „die südliche Welt schil-dern, wie sie ist und wie sie sich bessern k a n n". Aber zu bessernist ja im Katholizismus nichts, am wenigsten, wenn die Anregung dazuvon einem protestantischen Schriftsteller ausging, dessen sämtlicheWerke noch heute als unsittlich und irreligiös auf dem Index der Kuriestehen. Gutzkow unterschied allerdings scharf zwischen Katholizis-mus und Ultramontanismus, das war im Lande des Konkordatsirreligiös, und obgleich der Verleger und die Freunde Gutzkows inWien geltend machten, die Ereignisse, die Gutzkow schildere, seiendoch schon historisch geworden, die Absetzung des Kölner Erzbischofs1838 und der daraus entbrennende Kampf zwischen Kirche und Staat,glaubte die österreichische Zensur 1858, den Roman beanstanden zumüssen. Doch war die Zeit vorüber, da derartige Maßregeln von Wir-kung waren, und der Roman wurde in Österreich mit dem gleichenInteresse gelesen wie in Deutschland. Auch daß sich ein zweiter Gentzfand, Joseph Gentz, der unter dem Pseudonym „Alexander Alt" dieersten drei Bände in einer eigenen Broschüre „Briefe über Gutzkow's.Zauberer von Rom'" (Prag, Bellmann, 1859) herunterriß, das Miß-behagen des Katholiken hinter literarischer Kritik verbergend, hatihm selbst in Österreich nicht schaden können.
Das Problem des „Zauberers von Rom" führt auf Gutzkows drama-tische Anfänge zurück, die ihm durch seine Verfemung seitens derpreußischen Zensurbehörde aufs äußerste erschwert wurden. Schon1835, vor dem „Wally"-Konflikt, hatte er eine Tragödie „Nero" her-ausgegeben, die aber für die Bühne nicht in Betracht kam. Sie erschienbei Cotta und erlitt kein eigenes Verbot, nur daß auch sie seit der Ver-fügung Preußens vom 14. November 1835 dort nicht mehr verkauftwerden durfte, solange sie sich nicht einer Rezensur unterwarf. Daweder Cotta noch ein Berliner Buchhändler dazu Anstalten machte,hatte sie von 1835 bis 1843 als verboten zu gelten. Übrigens brauchte