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1 (1924)
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307 GUTZKOW

belegt und den Gesandtschaften die Erteilung eines Paßvisums anGutzkow verboten; die Länderchefs wurden angewiesen, Gutzkow beietwaigem Erscheinen an der Grenze „unfehlbar und unbedingt in dasAusland zurückzuweisen", diese Anordnung aber „auf eine möglichstvorsichtige, jede Publizität vermeidende Weise" zu treffen. Die öster-reichische Regierung soll sogar zwölf Exemplare der „Wiener Ein-drücke" gekauft und an ergebene Rezensenten verschenkt haben, umGutzkow herunterzureißen! Das geschah auch, von Frankfurt aus, inder österreichischen Einflüssen stets zugänglichen „Augsburger All-gemeinen Zeitung" (vgl. Glossys Anmerkung zu Bauernfelds Tage-büchern, „Grillparzer-Jahrbuch" V, 211). Man ließ sich also in Öster-reich die Unterdrückung mißliebiger Werke sogar bares Geld kosten.So splendid war Preußen nicht; hier bevorzugte man die kleinlichenMittel, die versteckten Nadelstiche, auch noch nach 1848, gegen diemißliebigen Schriftsteller des Vormärz. Ein Vorfall aus dem Jahre1854 ist dafür charakteristisch.

Den „Telegraph" hatte Gutzkow 1843 aufgeben und dem Verlegerüberlassen müssen, wie das nach dem ungeschriebenen „Urheberrecht"der Verleger so üblich ist. Seit Oktober 1852 gab Gutzkow in Leipzigbei Brockhaus seine bald populär gewordene Zeitschrift „Unterhal-tungen am häuslichen Herd" heraus. Da sie „Politik, positivesKirchenwesen und die soziale Frage" von vornherein streng ausschloß,waren Konflikte mit der Preßpolizei kaum noch denkbar. Außerdemsorgte der angstvolle Verleger dafür, daß diese Sperrlinie vom Heraus-geber nicht überschritten werde, besonders Österreichs wegen, wo dasBlatt guten Absatz fand. Dieses „nachgiebige Unterducken unter dieInteressen des Geldbeutels" empfand Gutzkow bitter genug. Auchmit den jetzt bestehenden Preßgesetzen war nicht zu spaßen. Verirrtesich das Blatt in ein irgendwie der Politik benachbartes Gebiet, sodrohte zunächst die Beschlagnahme der Kaution, die der Herausgeberals Pfand seiner guten Führung beim sächsischen Ministerium zu er-legen hatte, dann der Postzwang, der den wirksameren Vertrieb durchden Buchhandel ausschloß. Brachte die Zeitschrift irgendeine Be-merkung, die einen deutschen Bundesstaat unliebsam berührte, sohagelte es Verwarnungen. Zart fühlende Vorsicht erforderte vor allemjede Erwähnung Napoleons III., der im November 1852 zum Kaiseravancierte, und dessen abenteuerliches Emporkommen das Tagesge-spräch ganz Europas bildete. „Beleidigungen auswärtiger Regenten"— gleichgültig, wie sie auf den Thron gekommen — wurden in Sachsenvon Amts wegen verfolgt, in Preußen nur auf Klage des Beleidigten.Gutzkow mußte also als Redakteur der ^.Unterhaltungen" auf das ver-zichten, was bisher sein ganzes Schaffen begleitet, oft genug bestimmthatte, und für ein vielleicht „sinniges", aber ebenso leicht auchphiliströses Publikum schreiben, dem die Gedankenwelt der „Ritter