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1 (1924)
Seite
305
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305 GUTZKOW

Bücher" der katholischen Kirche (Ausgabe von Hilgers, 1904, S. 69)unmittelbar neben Conrad Ferdinand Meyer zu den Schriftstellern ge-rechnet wird, „deren Name schon ein Glaubensbekenntniß, wenn auchdas des Unglaubens" ist, denen also dieser Index nicht erst durch be-sondere Nennung „erst zur Warnung den Stempel der Ungläubigkeitoder Unsittlichkeit aufzudrücken braucht".

Gutzkows „Gesammelte Werke" (1845/46) brachten in ihrem 3. Bandeine völlig neue Schrift, eine Schilderung seiner „Wiener Eindrücke"während eines Aufenthalts in der österreichischen Kaiserstadt im Früh-jahr 1845. Sie war zunächst als ein Beitrag zu dem Taschenbuch„Urania" gedacht, aber am 1. Mai 1845 schrieb Gutzkow an den Ver-leger Brockhaus, er könne das Manuskript nicht liefern, da es ihn inErörterungen führe, die „über die Salonsphäre der Urania" hinaus-gingen. „Denn das ist der Eindruck, den mir Wien macht: Ich kannnicht mit in die übliche Lustigkeit der Wiener Touristen einstimmen,ich kann die Schattenseiten des hies. Lebens nicht verwischen u. würdein einem Bericht über meinen hiesigen Aufenthalt mehr sagen müssen,als was sich für die Urania u. ihre friedliche Tendenz geziemt." DerBrief wurde auf der Wiener Post „perlustrirt" und kopiert; Gutzkowdürfte demnach wohl dort unter heimlicher Polizeiaufsicht gestandenhaben! Er sah voraus, daß diese Schrift der „Urania" in ÖsterreichScherereien bereiten würde; was er aber damit anrichten würde, hätteer schwerlich je ahnen können. In Österreich waren alle die SchriftenGutzkows, die in deutschen Bundesstaaten Anstoß erregten, ebenfallsverboten worden, war es doch gerade der Staatskanzler Fürst Metter-nich, der Preußen gegen die junge Literatur scharfgemacht hatte.Die österreichischen Zensurakten aber wurden in den 1848er Revo-lutionstagen von den Behörden aus Angst vernichtet, so daß sich be-stimmte Nachrichten darüber höchstens aus Notizen österreichischerZeitungen zusammentragen lassen, die nur in Wien, heute also über-haupt nicht erreichbar sind. Nur über die „Wiener Eindrücke" hatsich ein Aktenstück erhalten, dessen Inhalt Karl Glossy in seinen„Literarischen Geheimberichten aus dem Vormärz" (III, 126 ff.) mit-teilen konnte. In der österreichischen Hof- und Staatskanzlei erregteder 3. Band der „Werke" die maßloseste Entrüstung! Am 14. Sep-tember 1845 teilte der Polizeipräsident v. Sedlnitzky dem Fürsten mit,Gutzkows Aufsatz sei, nach dem Urteil des Zensors, von Bitterkeitund Schonungslosigkeit gegen die Zustände Österreichs dergestaltdurchsättigt, daß es nicht leicht eine Schrift geben könne, die mehrgeeignet wäre, Unzufriedenheit mit allem Bestehenden zu verbreiten,„da in diesem Aufsatz unter dem perfiden Panier der Freimütigkeit,sowohl das Allerhöchste Kaiserhaus, als die Regierung und deren Poli-tik auf eine dieselbe im höchsten Grade entwürdigende Weise an-gegriffen" werde. Er halte daher das „allerstrengste" Zensurverbot