GUTZKOW - 302
zur Hand, als er die befreiende Kabinettsorder seinem Bureau zurAusfertigung gegeben hatte. Sofort meldete er dem König (1. August),Gutzkow sei der Beteiligung an kommunistischen Umtrieben verdäch-tig. Die Ende des Monats erfolgenden öffentlichen Erklärungen Gutz-kows legte er am 31. August gleichfalls vor. Die Minister beantragtendaraufhin am 6. September, die Kabinettsorder über Gutzkows Zensur-freiheit so lange zurückzuhalten, bis sich Gutzkow von dem neuenVerdacht gereinigt habe. Eine solche Reinigung im Sinne der Minister,denen schon jede Beschäftigung mit einem so staatsgefährlichen Pro-blem ein Verbrechen bedeutete, war natürlich dem Angeschuldigtennicht eben leicht, und auch seine weiteren öffentlichen Erklärungenbefriedigten in Berlin so wenig, daß Arnim, nachdem auch noch einsehr ungünstiger Bericht des Schweizer Gesandten v. Werthern ein-gelaufen war, am 2. Oktober dem Könige vorschlug, es mit Rücksichtauf Gutzkows mindestens „zweideutige" Rolle in der Kommunisten-affäre bei den bisherigen Ausnahmemaßregeln gegen seine Schriftenzu belassen. Und am 29. Oktober genehmigte der König den Wider-ruf der Order vom 17. Juli! Schon war die entsprechende Ausfertigungan Gutzkow entworfen, als plötzlich von ihm ein Dankbrief an denKönig für die Befreiung von der Zensur eintraf! „Unterm 17. Julid. J.", schrieb er, „haben Ew. Majestät durch allergnädigste Cabinets-ordre die literarische Thätigkeit des Endesunterzeichneten, auch ohneGelöbniß seinerseits, von bisherigen äußeren Hemmungen zu befreiengeruht. Unmittelbar darauf würd' ich sogleich für diesen Beweis huld-voller Gnade gedankt haben, wenn nicht ein später folgendes Misver-ständnis dazwischen getreten wäre. Da nun auch dieses, wenn ich denZeitungen trauen darf, beseitigt ist und ich wiederum die Befreiungvon einem ungegründeten Verdacht über sogenannte communistischeTendenz Allerhöchst Ihrer Einwirkung und Ew. Majestät unbefangenerBeurtheilung zu verdanken habe, so vermag ich jetzt das Bedürfnißmeines Herzens nicht länger zurückzuhalten, spreche Ew. Majestäthiemit meinen tiefgefühlten Dank aus und wünsche nur, daß sich, un-beschadet der Selbständigkeit, die der Schriftsteller in seinen Zeit- undWelturtheilen zeigen soll, oft Gelegenheit finden möge, des in michgesetzten allerhöchsten Vertrauens würdig zu erscheinen und in jedermöglichen Weise die Schranke aufzuheben, die mich bisher von denheimathlichen Kreisen getrennt hat." Als Beweis seines guten Preu-ßentums übersandte er dem Könige zugleich sein neues Lustspiel„Zopf und Schwert" zur Kenntnisnahme und Erwägung, ob die gegenseine Aufführung auf der Königlichen Bühne in Berlin bestehendenZensurbedenken vielleicht beseitigt werden könnten!
Daß Gutzkow die Kabinettsorder erhalten habe, sagte er nicht deut-lich. Die Minister recherchierten demnach, wodurch er davon wisse.Da stellte sich zunächst heraus, daß sie schon in der „Allgemeinen